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welt-sichten. Magazin für Entwicklungspolitik und ökumenische Zusammenarbeit

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Reise ohne Ziel

Wilfried Bommert
Kein Brot für die Welt
Die Zukunft der Welternährung

Riemann Verlag, München 2009,
352 Seiten, 19,95 Euro


Erschöpft legt man das Buch nach einer strapaziösen Weltreise durch alle nur denkbaren Aspekte der Hungerdiskussion zur Seite. Auf 350 Seiten hat man hunderte Personen getroffen, die Bommert als Zeugen zu diesem und jenem zitiert. Kenntnisreich wird kein Aspekt des Themas ausgespart. Doch dem Leser bleibt die Frage: Was jetzt?

Bommert beweist in seinem anschaulich und verständlich geschriebenen Buch nicht nur, dass er einen guten Überblick besitzt, die ganze Welt bereist und wichtige Akteure getroffen hat. Er zeigt auch, dass die Katastrophe unausweichlich ist. Ob bei Wasser oder Boden, bei Forschung oder Politik, bei Ernährungsgewohnheiten oder UN-Organisationen, überall häufen sich die Fehler und die Krisen. Bevölkerungsexplosion und Kapitalkritik, demographischer Wandel und politische Ökonomie: Alles ist wichtig, alles ein Skandal.

In jeden Sachverhalt wird nach allen Regeln journalistischer Kunst eingeführt, etwa: „Nur eine holprige Straße führt ins Dorf Kédougou in Bassari-Land.“ Gleich im ersten Satz des Buches begegnen wir „der glitzernden Abendsonne“, und auch gegen Ende ist es wieder die Sonne, „die über dem Circus Maximus untergeht“; dazwischen aber „döst der Circus Maximus in der Ruhe der Maisonne“. Gemeint ist die Gegend um das Gebäude der Welternährungsorganisation FAO in Rom, aber angedeutet wird damit, dass es sich bei all dem Trubel zu Welternährung und Hunger um eine chaotische Veranstaltung handelt.

Bei aller Bewunderung für die guten Einblicke Bommerts und die Vielzahl der Fakten, Beschreibungen und Zusammenhänge: Es fehlt der rote Faden. Die einzelnen Kapitel erscheinen wie eine Sammlung von Zeitungsartikeln oder Reportagen. Bommert hat einen Band mit Geschichten vorgelegt mit dem Anspruch, ein Sachbuch zu sein. Doch trotz der Fülle von Themen und Argumenten eignet es sich nicht zum Nachschlagen. Hochpolitische Beispiele verlieren sich zum Teil in einzelnen Geschichten, werden als Argument verramscht für sekundäre Folgen, verlieren sich im Geplätscher des Erzählstils oder werden Banalem untergeordnet.

Der Autor konzentriert sich bei der Welternährung auf die Entwicklungsländer. Anekdotenhaft stellt er zwar einzelne Bezüge zur Politik und Wirtschaft der Industriestaaten her, aber es fehlt eine systematische Verknüpfung. Dadurch wirkt das Werk unpolitisch, denn die Verantwortung der reichen Gesellschaften des Nordens wird ausgespart. 


Rudolf Buntzel

welt-sichten 07-2010