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welt-sichten. Magazin für Entwicklungspolitik und ökumenische Zusammenarbeit

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Alternativen für eine bessere Welt

Chico Whitaker
Das Weltsozialforum
Offener Raum für eine andere Welt.
VSA-Verlag, Hamburg 2007
256 Seiten, 22,80 Euro


„Eine andere Welt ist möglich“ – unter diesem Motto treffen sich Globalisierungskritiker seit 2001 auf sogenannten Weltsozialforen. Der Brasilianer Chico Whitaker ist seit der ersten Stunde dabei und gehört noch immer dem Organisationskomitee an. 2006 erhielt er für sein Engagement den alternativen Friedensnobelpreis.

Inzwischen hat das Weltsozialforum nicht nur im brasilianischen Porto Alegre, sondern auch im indischen Mumbai, im malischen Bamako, im venezolanischen Caracas, im pakistanischen Karatschi und im kenianischen Nairobi Station gemacht. Whitaker definiert das Forum so: „Dies ist ein Forum der Zivilgesellschaft, die sich im Kampf gegen Neoliberalismus, soziale Ausgrenzung und Krieg organisiert und die sich den Prinzipien des Humanismus, der Würde und der Gleichheit zwischen den Menschen verschrieben hat.“ Es schaffe Raum für Auseinandersetzungen, Erfahrungsaustausch und die Vernetzung von gesellschaftlichen Organisationen und Bewegungen, die nach Alternativen für eine bessere Welt suchen. Das Sozialforum solle als offener Raum dienen, der nicht von einzelnen, einflussreichen Bewegungen oder Parteien dominiert wird. Dabei gehören viele Mitglieder des Organisationskomitees in Porto Alegre, das alljährlich die Foren ausrichtet, der brasilianischen Arbeiterpartei an.

Zugleich soll sich das Sozialforum absetzen von der Politik. „Die horizontale Perspektive des Forums macht deutlich, dass weder die Machtübernahme und schon gar nicht nur die Eroberung der politischen Macht automatisch eine Veränderung bewirken wird“, so Whitaker. Die dauerhafte Veränderung wirke von unten nach oben und von innen nach außen. Sie gründe sich auf neue, von Solidarität und Respekt vor der Umwelt und vor dem Menschen getragene Praktiken.  Für Chico Whitaker sind die Sozialforen mehr als bloße Gegenveranstaltungen, auch wenn sie oft zeitlich parallel zum Weltwirtschaftsforum in Davos stattfinden. „Sie haben mehrmals versucht, mit uns einen Dialog zu führen, aber es ist unmöglich“, erklärt er. „Sie versuchen, den ausschließlichen Gedanken aufrecht zu erhalten, dass der Markt alles regelt; wir versuchen, der Welt zu sagen, dass das nicht stimmt, dass dieser Weg ein schlechter ist.“

Chico Whitaker muss sich fragen lassen, ob sein Versuch, die Geschichte des Forums zu fixieren, nicht der Rolle als Sprecher des Weltsozialforums nahe kommt, die er selbst vehement ablehnt. Sieht man von diesem – nicht unwesentlichen – Widerspruch ab, handelt es sich bei dem Buch um einen guten Einblick in die komplexe Struktur und Geschichte der Sozialforumsbewegung.


Gerhard Klas

welt-sichten 8-2008