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„Erd-Fonds“ statt militärischer Hochrüstung

Religionsführer fordern neues Finanzierungsinstrument zur Armutsbekämpfung

Religionsführer aus aller Welt haben im Vorfeld des G8-Gipfels in Japan die Einsetzung eines globalen Fonds zur Bekämpfung von Armut und zum Schutz der Umwelt vorgeschlagen. Deutsche Hilfswerke fordern ähnliche Instrumente: Der Evangelische Entwicklungsdienst (EED) unterstützt die Idee eines globalen Fonds für Ernährungssicherheit, „Brot für die Welt“ spricht sich für einen UN-Topf zur Finanzierung von Maßnahmen zur Anpassung an den Klimawandel aus.

Zwei Tage dauerten die Debatten der Religionsführer, dann überreichte eine Delegation bei einem Empfang in Tokio dem japanischen Ministerpräsidenten Yasuo Fukada den „Ruf aus Sapporo“. Darin fordern die rund 100 Teilnehmenden aus mehr als 20 Ländern eine Kürzung der Militärausgaben, um das gesparte Geld in einen „Erd-Fonds“ umzuleiten, mit dem Umweltschutzmaßnahmen finanziert werden sollen.

Der Ratsvorsitzende der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD), Bischof Wolfgang Huber, hatte in seiner Rede vor dem Plenum für einen globalen Reichtums- und Armutsbericht plädiert. Er äußerte sich zufrieden über die Ergebnisse des Religionsgipfels und sprach sich für weitere Treffen dieser Art aus. Zuvor hatte es 2007 in Köln und 2006 in Moskau ähnliche Zusammenkünfte im Vorfeld von G8-Gipfeln gegeben, zu denen die EKD beziehungsweise die russisch-orthodoxe Kirche in Zusammenarbeit mit dem Interreligiösen Rat Russlands eingeladen hatten. Das Treffen in Sapporo hatte die japanische Sektion der Weltkonferenz der Religionen für den Frieden (WCRP) organisiert.

Der Evangelische Entwicklungsdienst sprach sich in seiner Erklärung zum G8-Gipfel ebenfalls für die Einrichtung eines globalen Fonds aus. Er solle nach dem Vorbild des Globalen Fonds zur ­Bekämpfung von Aids, Malaria und Tuberkulose auch zivilgesellschaftliche Gruppen einbinden und zur Finanzierung von Programmen zur Ernährungssicherung beitragen. Kritisch äußerte sich das evangelische Hilfswerk über die Vorstellungen der Regierungschefs zur Lösung der Agrarkrise. Nach Ansicht des Ernährungsexperten Rudolf Buntzel wäre eine globale strategische Getreidereserve „wenig wirksam“. Reserven auf lokaler Ebene seien vielversprechender, weil die Bauern in solche basisnahen Modelle direkt eingebunden seien.

„Brot für die Welt“ macht sich für einen Fonds stark, der bei den Vereinten Nationen angesiedelt ist und Anpassungsmaßnahmen der Entwicklungsländer an den Klimawandel fördert. Für diese Maßnahmen müssten zusätzliche Mittel zur Verfügung gestellt werden, erläutert der Klimaexperte der Organisation, Thomas Hirsch. Sie dürften nicht auf die „ohnehin chronisch unterfinanzierten Entwicklungsetats“ angerechnet werden.


Bettina Stang

welt-sichten 8-2008