Große Wirkung für ein kleines Geberland
Schweizer Entwicklungszusammenarbeit im Wassersektor evaluiert
Die Programme, mit denen die Schweiz die Wasserversorgung sowie Hygiene und Abwasserbeseitigung unterstützt, tragen insgesamt zur Armutsbekämpfung bei. Sie sollten künftig Umweltaspekte stärker berücksichtigen, vor allem angesichts des Klimawandels. Das hat eine Evaluierung ergeben, deren Ergebnisse jüngst veröffentlicht wurden.
Der Schweizer Entwicklungszusammenarbeit im Wasserbereich ist es gelungen, das Thema sanitäre Grundversorgung und Hygiene auf die internationale Agenda zu setzen, obwohl die Schweiz ein kleines Geberland ist: „Über multilaterale Partner wurde es in die Liste der Millenniumsziele aufgenommen und das Jahr 2008 von den Vereinten Nationen zum Internationalem Jahr der sanitären Grundversorgung erklärt“, erläutert Dr. Susanne Neubert vom Deutschen Institut für Entwicklungspolitik (DIE). Die Wissenschaftlerin hat eine Evaluierung dieser Programme geleitet, die das DIE in Zusammenarbeit mit dem Beratungsunternehmen FAKT durchgeführt hat. Insgesamt 23 Wasserprojekte wurden untersucht – zehn in Partnerländern der Schweiz, elf multilaterale Programme sowie die Arbeit von zwei schweizerischen Netzwerken. Die beiden für die Schweizer Entwicklungszusammenarbeit zuständigen Ämter, die Direktion für Entwicklung und Zusammenarbeit (DEZA) und das Staatssekretariat für Wirtschaft (SECO), hatten das Gutachten in Auftrag gegeben und haben die Befunde in einem jüngst veröffentlichten Wirkungsbericht zusammengefasst.
Das DIE wurde vor allem wegen der von Neubert entwickelten und vielfach erprobten MAPP-Methode mit der Wirkungsanalyse beauftragt. Das Spezielle an der Methode ist, dass hier in Diskussionsrunden zunächst alle Veränderungen vor Ort erhoben und sie erst im zweiten Schritt Ursachen zugeordnet werden. „Dadurch werden auch ungeplante Wirkungen erfasst, und Wirkungen können im Kontext anderer Projekte realistisch bewertet werden“, erklärt Neubert. Wirkungen auf der Makroebene und die Einbettung der Programme in die nationale Politik wurden darüber hinaus mit Hilfe von Dokumentenanalysen und Befragungen erhoben.
Neubert stellt auch den bilateralen Wasserprogrammen der Schweiz ein insgesamt gutes Zeugnis aus. Dies sollte allerdings nicht darüber hinwegtäuschen, dass besonders in manchen ehemals kommunistischen und einigen afrikanischen Ländern die wirtschaftlichen Rahmenbedingungen oder häufige Dürren den Nutzen der Programme wieder zunichte machen können. Während zum Beispiel die Schweizer Entwicklungszusammenarbeit in Moldawien mit Dorfgemeinden Sanitäreinrichtungen verbessert, fehlt der nationalen Politik der Wille, in die Wasserversorgung zu investieren. Zudem werden Frauen zwar in Wassernutzergruppen aufgenommen, die Entscheidungen fällen aber noch immer die Männer. In Nicaragua hingegen sind rund 40 Prozent der Vorsitzenden in Wassernutzergruppen Frauen. Ländliche Trinkwasserversorgung und Latrinen sind dort Teil der nationalen Wasserpolitik, zu der auch ein Investitionsprogramm gehört. Die wichtigste Wirkung der Schweizer Programme: Die Zivilgesellschaft hat sich organisiert, was auch in andere Lebensbereiche ausstrahlt.
Als Qualitätsmerkmale von Schweizer Programmen wertet Neubert den Aufbau von Institutionen und Fähigkeiten sowie ihre Kontinuität. Die Schweiz biete zudem gute Instrumente der Konfliktbearbeitung an. Sie hätten im wasserarmen zentralasiatischen Ferghanatal Früchte getragen, wo Konflikte über die Zuteilung des Wassers entschärft werden konnten. Das Kosten-Nutzen-Verhältnis der Investitionen im Wassersektor ist insgesamt gut, stellt der Wirkungsbericht fest: In den untersuchten Projekten brachte jeder investierte Franken einen sozialen und wirtschaftlichen Nutzen von mindestens 3 bis 5 Franken. Die Programme trügen auch zur Armutsminderung bei. Eine große Herausforderung liege jedoch im ganzheitlichen Wassermanagement unter Berücksichtigung der Risiken des Klimawandels. Umweltfragen und ein integriertes Vorgehen müssten künftig mehr beachtet werden.
Viera Malach, InfoSüd
Der Wirkungsbericht „Schweizer Entwicklungszusammenarbeit im Wassersektor“ kann unter www.deza.admin.ch/de/Home/Dokumentation heruntergeladen oder bestellt werden.
