In der Schusslinie
Die Anschläge auf humanitäre Helfer in Somalia häufen sich
Innerhalb von nur zehn Tagen sind im Juli vier somalische Mitarbeiter von Hilfsorganisationen erschossen worden. Eines der Opfer ist Mohamoud Mohamed Kheire, der stellvertretende Leiter der Organisation Daryeel Bulsho Guud (DBG). Die Partnerorganisation von „Brot für die Welt“ und der Diakonie Katastrophenhilfe ist für ihre Vermittlungsarbeit zwischen verfeindeten Clans bekannt.
Insgesamt wurden zwischen dem 6. und 16. Juli fünf Anschläge auf Helfer verübt. Erstes Opfer war der Geschäftsführer des somalischen Büros des UN-Entwicklungsprogramms UNDP, Osman Ali Ahmed. Fünf Tage später wurde nach Berichten internationaler Nachrichtenagenturen annähernd zeitgleich auf Kheire und auf Ali Bashi, den Leiter einer Partnerorganisation des Welternährungsprogramms (WFP), geschossen. Bashi, der sich in einem Flüchtlingscamp nahe Mogadischu aufhielt, überlebte den Anschlag schwer verletzt. Von Unbekannten getötet wurden zudem ein Fahrer und ein Begleiter von Hilfstransporten des WFP. Damit hat alleine das Welternährungsprogramm nach eigenen Angaben in diesem Jahr bereits fünf Mitarbeiter in Somalia verloren. Ausländische Helfer haben das Krisenland aufgrund der unsicheren Lage schon seit längerem verlassen.
Bislang ist unklar, wer die Anschläge verübt hat. Beobachter sprechen von Spekulationen, die in jeweils gegnerische Lager deuten: Einerseits werden hinter den Tätern islamistische Milizen vermutet, die den Friedensprozess unterminieren wollen. Andererseits sei denkbar, dass die somalische Übergangsregierung die Hilfsorganisationen gezielt verunsichern wolle. In der Woche vor den Anschlägen kursierten in Mogadischu Flugblätter, die lokale Mitarbeiter von Hilfsorganisationen unter Todesandrohung aufriefen, ihre Jobs aufzugeben.
Nach Informationen der Nachrichtenagentur Reuters diskutieren die Organisationen jetzt darüber, ob sie ihre Arbeit in Mogadischu und im Süden des Landes ganz aussetzen sollen. Die Mitarbeitenden von DBG seien jedoch entschlossen, ihre Hilfe für Vertriebene und Notleidende fortzusetzen, berichtet der Pressesprecher von „Brot für die Welt“ und Diakonie Katastrophenhilfe, Rainer Lang. Die Auswirkungen des Mordes an Kheire auf die Arbeit in Somalia seien nicht abzuschätzen. „Gerade in einer Gesellschaft, die von Clan-Strukturen geprägt ist, verlassen sich die Menschen eher auf einzelne Persönlichkeiten als auf Institutionen“, erklärt Lang. Im September werde der Präsident von DBG (deutsch: Unterstützung für Alle) in Berlin beim Auswärtigen Amt erwartet. Dann solle es darum gehen, wie die Unterstützung für den Versöhnungsprozess in Somalia von deutscher Seite ausgebaut werden kann.
Bettina Stang
