Jagd nach dem „grünen Gold“
Michael Frein/Hartmut Meyer
Die Biopiraten.
Milliardengeschäfte der Pharmaindustrie mit dem Bauplan der Natur
Econ-Verlag, Berlin 2008
256 Seiten, 16,90 Euro
Die ersten hochwirksamen Krebsmedikamente, Velban und Oncovin des US-amerikanischen Pharmakonzerns Eli Lilly, sind seit 1961 beziehungsweise 1962 im Handel. Seit mehr als 40 Jahren wird damit eine Substanz vermarktet, die von einer kleinen Pflanze aus Madagaskar stammt, dem Madagaskar Immergrün. Von dem Gewinn, der damit gemacht wurde (in einem einzigen Jahr lag er bei 88 Millionen US-Dollar), hat das Herkunftsland nichts abbekommen. Der Fall ist ein Beispiel dafür, wie Naturprodukte aus den Tropen und das Wissen der Einheimischen um ihre Wirksamkeit von Pharmaunternehmen oder Kosmetikkonzerne in den Industrieländern ausgebeutet werden. Die Milliardengeschäfte nützen dem Ursprungsland und seiner Bevölkerung nichts oder nur wenig.
In den letzten unberührten Naturlandschaften der Erde lagert noch immer ein Schatz in Form von biologischen Substanzen mit Nutzungsmöglichkeiten für die Menschheit. Ob für Schmerzmittel, Insektizide, Antibiotika, Malariamittel oder Süßstoffe – in Pflanzen und Insekten steckt ein großes Potential. Um es zu sichern und nutzbar zu machen, werden Substanzen oder ganze Lebewesen patentiert. Die Sammler solcher Wirkstoffe fragen in der Regel nicht um Erlaubnis – sie sind die Stärkeren.
Michael Frein und Hartmut Meyer geben in ihrem Buch den Schwächeren im globalen Streit um den Anspruch auf genetische Ressourcen eine Stimme. Mit dem Inkrafttreten der UN-Konvention über die biologische Vielfalt (CBD) wurden das Recht an geistigem Eigentum für indigenes Wissen und das Recht der lokalen Bevölkerung an der lokalen biologischen Vielfalt anerkannt. In sieben Kapiteln entfalten die beiden Autoren das Problem und welche Wege und Mittel es gibt, um Recht in Form von ausgleichender Gerechtigkeit zu schaffen und durchzusetzen.
Die Vertragsstaaten der UN-Konvention sind zwar völkerrechtlich zu deren Umsetzung verpflichtet, können aber nicht dazu gezwungen werden. Einige Länder mit großer biologischer Vielfalt haben daher mit strikten Kontrollen reagiert und die Ausfuhr biologischer Ressourcen verboten. Das bedeutet aber oft, dass weitere Jahre vergehen werden, ohne dass die Menschheit eventuell hochwertige Substanzen für neue Medikamente erhält; die Zusammenarbeit, auch die wissenschaftliche, wird blockiert. Nötig sind Regelungen, die allen Beteiligten das geben, was jeder auf dieser Erde beansprucht: das Recht an seinem Wissen und seinen Ressourcen. Dieses Buch zeigt auf der Basis fundierter Recherche und an einer Fülle von Beispielen, was Biopiraterie bedeutet und welche Kräfte dabei im Spiel sind. Es regt zum Nach- und Weiterdenken an.
Friedhelm Göltenboth
