Aufbruch nach Nicaragua
Erika Harzer und Willi Volks (Hg.)
Aufbruch nach Nicaragua.
Deutsch-deutsche Solidarität
im Systemwettstreit
Christoph Links Verlag 2008,
248 Seiten, 19,90 Euro
Tausende Engagierte aus der Bundesrepublik und der DDR reisten
in den 1980er Jahren nach Nicaragua, um die sandinistische Regierung nach dem Sturz der Somoza-
Diktatur beim Aufbau einer sozial
gerechten Gesellschaft zu unterstützen. Das Buch lässt staatliche
und andere Entwicklungshelfer
zu Wort kommen, die in der Landwirtschaft, im technischen Bereich oder an der Universität gearbeitet haben. Viele, die sich mit
den Sandinisten solidarisiert haben, relativieren heute ihre einst
glühende Begeisterung. Bei all ihrem Engagement für eine gemeinsame Sache blieben sich
West- und Ostdeutsche seltsam
fremd – so das Fazit mehrerer Berichte des Sammelbandes. Desinteresse, gegenseitige Skepsis und
Abschirmung verhinderten intensivere Kontakte. Die Nicaraguaner
wiederum waren staunende Zeugen dieser unbeholfenen Begegnungen. Die „Mauer in den Köpfen“ hatte fern der Heimat auch
in den Jahren nach dem Fall des
Betonwalls Bestand. In dem Buch
werden laut Verlag erstmals Überwachungsprotokolle der DDR-Staatsicherheit und geheime Unterlagen zur Militärkooperation
ausgewertet. Abschließend wird
über aktuelle Projekte der Solidaritätsarbeit in Nicaragua wie die
Städtepartnerschaft von Jena mit
San Marcos berichtet.
(fe)
