Informationen bündeln, zuordnen, analysieren
Entwicklungspolitische Publizistik ist heute nötiger denn je
Von Wilfried Steen
Entwicklungspolitisch interessierte Leserinnen und Leser wollen nicht nur Public-Relations-Berichte, sondern brauchen eine professionelle und unabhängige Zeitschrift. In Zeitungen und anderen Magazinen kommen hintergrundinformationen zu den darin behandelten Themen häufig zu kurz. Den Herausgebern von „welt-sichten" wird ihr Engagement in der Öffentlichkeit Anerkennung bringen.
Gegenwärtig bläst der Wind den Printmedien ins Gesicht. Anzeigeneinnahmen gehen zurück, das Internet legt an Bedeutung gewaltig zu - gerade bei jungen Leuten. Manche Zeitungen sehen sich als Säulen der Informations- und Meinungsfreiheit in ihrer Existenz bedroht. Können wir uns als Herausgeber von „welt- sichten" zurücklehnen mit Aussagen wie: Wir haben eine treue Stammleserschaft? Wir sind nicht betroffen, weil unsere Leser Wert legen auf gründlich recherchierte Informationen?
Auch die Redaktion und die Herausgeber von „welt-sichten" können sich neuen Entwicklungen nicht verschließen. Wir sind Ihnen, liebe Leserinnen und Leser, dankbar, dass Sie uns durch Ihre Abonnements ermöglichen, „welt- sichten" nicht allein aus Zuschüssen der Herausgeber zu finanzieren. Wir benötigen diese Einnahmen, um eine gute Zeitschrift zu machen. Wir als Herausgeber freuen uns außerdem, dass es „welt-sichten" mehr und mehr gelingt, Werbekunden zu gewinnen.
Sorgfältig recherchierte Hintergrundinformationen
Doch nach wie vor müssen wir fragen: Ist entwicklungspolitische Publizistik noch notwendig? Ich bin überzeugt: Sie ist heute sogar nötiger denn je. Die Hintergrundinformationen, sorgfältig recherchiert und bearbeitet, wie sie „welt-sichten" bietet, sind unverzichtbar. Ein Beispiel: Der Sudan mit seinem Krieg an vielen Fronten. Um die Dilemmata dieses Landes und seiner zahlreichen Konflikte zu verstehen, brauche ich gut bearbeitete Beiträge von Fachleuten. Nötig ist die gründliche Analyse, um Zusammenhänge deutlich zu machen. In vielen Zeitungen und Magazinen kommt das zu kurz.
Journalisten müssen frei und unabhängig sein. Auch in der Kirche und in kirchlichen Zusammenhängen sind die Zeiten vorbei, in denen selbst der Chefredakteur des „Osservatore Romano", der Zeitung des Vatikan, Interviews mit dem Papst nur kniend führen durfte. Aber die Frage bleibt: Warum leisten sich Entwicklungswerke ein Magazin, dessen hervorstechende Eigenheit es ist, von einer unabhängigen Redaktion gestaltet zu werden? Die Antwort ist einfach: Leserinnen und Leser, die sich entwicklungspolitisch orientieren möchten, wollen nicht auf die (oft sehr gut gemachten) Hausblätter der Werke angewiesen sein. Sie wollen nicht nur gut verpackte Berichte über die Erfolge beim Spendensammeln lesen, nicht unbedingt Public-Relations-Bemühungen ausgesetzt werden, seien sie auch noch so gut gemeint.
„welt-sichten" bringt Beiträge, Analysen und Interviews, die nicht überall zu lesen sind. Menschen, die meinungsbildend sind, werden erstklassig informiert und bekommen einen guten Überblick über Themen, die global diskutiert werden. Afrika, Äthiopien, der Sudan, Migration und Waffenhandel - das werden auch in Zukunft heiße Themen sein.
Eine Skizze für die künftige mediale Aufgabenverteilung im Bereich der entwicklungspolitischen Publizistik könnte so aussehen: „welt-sichten" bündelt und verdichtet die Informationsbruchstücke aus dem Themenfeld globale Entwicklung, ordnet und analysiert, um so ein möglichst verständliches und vollständiges Bild zu liefern. Auf „welt-sichten" wiederum können sich die sozialen Medien und Informationsnetzwerke im Internet beziehen und so Kontur gewinnen als Diskussions- und Austauschforum.
Ich scheide als Vorsitzender unseres Herausgebervereins nach einer Zeit mannigfacher Veränderungen aus. Ich bin dankbar, dass es gelungen ist, „welt-sichten" nach einer Phase der Neuorientierung so zu positionieren, dass es auch in Zukunft eine gute Perspektive gibt, eine ausgezeichnete Zeitschrift für globale Entwicklung und ökumenische Zusammenarbeit machen zu können. Unseren Mitherausgebern möchte ich dafür danken, dass sie diesen Weg auch weiterhin mitgehen wollen.
Parteinahme für eine gerechtere Welt
Ich bin davon überzeugt, dass es uns als Herausgebern von „welt- sichten" nutzt, wenn wir uns publizistisch betätigen. Mehr Menschen denn je legen Wert auf Information, die nicht gekauft ist von Werbeträgern oder Interessenverbänden. Diese Parteinahme für eine gerechtere Welt in „welt-sichten" ist unbezahlbar. Sie wirbt letzten Endes auch für die Arbeit der Herausgeberorganisationen. Wer sich so als Entwicklungsorganisation im ökumenischen Verbund der fachlichen und gesellschaftlichen Auseinandersetzung stellt, beweist Größe und wird dafür in der Öffentlichkeit nachhaltig Anerkennung gewinnen.
Wilfried Steen
ist seit 1999 Mitglied des Vorstands
des evangelischen entwicklungsdienstes und war seit dessen Gründung
2003 Vorsitzender des Vereins zur
Förderung der entwicklungspolitischen
Publizistik (VFeP). Der Verein gibt seit
2008 welt-sichten heraus.
Neuen Kommentar hinzufügenRoger Peltzer schrieb am 28.08.2009 um 9:01:36
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Manfred Kulessa schrieb am 18.08.2009 um 17:50:12
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