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Wüstenstrom: eine saubere Lösung?

Das geplante Desertec-Projekt ruft nicht nur Begeisterung hervor.

Die Idee klingt bestechend: Afrikas Wüsten sollen künftig sauberen Strom für Europa liefern. Nach den Plänen der Desertec-Initiative, zu der sich Mitte Juli zwölf unternehmen zusammengeschlossen haben, sollen bis 2050 mit hilfe großer solarthermischer Kraftwerke in der Sahara 15 Prozent des europäischen energiebedarfs gedeckt werden. Die notwendigen Technologien sind laut Industrie bereits erprobt, off en scheint nur noch die Finanzierung. Dennoch stößt das Projekt auch auf Kritik.


PRO: Die Chancen von solarthermischen Kraftwerken müssen genutzt werden

Von Andree Böhling

Die Produktion und der Import von Solarstrom aus sonnenreichen Wüstengebieten Nordafrikas und den Ländern des Nahen Ostens ist eine echte Alternative zur derzeitigen Energieversorgung. Sie ist viel realistischer und zukunftsweisender als die Abspaltung und Speicherung von Kohlendioxid (CO2) aus Kohlekraftwerken oder der Bau vieler neuer Atomkraftwerke. Und sie ist natürlich viel sicherer und sauberer. Die Technik ist erprobt und derart ausgereift, dass sie weltweit vor ihrem Durchbruch steht.

Angesichts der riesigen Probleme, die mit der Nutzung von Öl, Kohle, Gas oder Atomkraft verbunden sind, wäre es fatal, auf die Chancen solarthermischer Kraftwerke zu verzichten. Wüstenstrom kann laut einer Greenpeace-Studie bis Mitte des Jahrhunderts etwa ein Viertel der globalen Stromversorgung sichern. Dies wird auch notwendig sein, wenn wir weltweit die CO2-Emissionen drastisch reduzieren wollen. Der Klimawandel macht einen schnellen Ausstieg aus der Nutzung fossiler und nuklearer Energien notwendig: Bis 2015 muss laut Klimawissenschaftlern der Trend weltweit steigender Treibhausgase gestoppt und umgekehrt werden. Bis 2050 müssen Industriestaaten wie Deutschland ihre Emissionen auf nahezu Null reduzieren. Nur so kann der weltweite Temperaturanstieg, ein Auslöser von ökologischen und sozialen Krisen, gebremst werden. Die Folgen der Klimaveränderungen treffen die ärmsten Länder Afrikas, Asiens und Lateinamerikas am härtesten und stellen eine existenzielle Bedrohung für einzelne Staaten dar.

Die zentrale Frage sollte künftig nicht sein, ob, sondern wie schnell wir eine vollständige Versorgung mit erneuerbaren Energien realisieren können, um die Erderwärmung zu stoppen. Dies zeigt sich besonders, wenn wir auf die Energieversorgung weltweit schauen. In China und Indien werden zahlreiche neue Kohlekraftwerke gebaut und in den USA wird einmal mehr über den Bau von hundert neuen Kernkraftwerken diskutiert. In Deutschland sollen die Laufzeiten alter Atommeiler verlängert und 25 neue Kohlekraftwerke gebaut werden. Wir sollten deshalb nicht zwischen dezentralen und zentralen Energien auswählen, sondern zwischen umweltschädlicher und umweltfreundlicher Stromerzeugung.

Die Anforderung bei der gemeinsamen Nutzung von Solarstrom aus Wüsten wird sein, diese Technologie zu beiderseitigem Nutzen für die Menschen in Afrika und in der Europäischen Union verfügbar zu machen. Solarkraftwerke in den Wüstenregionen Afrikas werden nicht ohne das Kapital und das Know-how finanzstarker Investoren etwa aus Deutschland gebaut werden können. Andererseits muss der erzeugte Solarstrom zuerst den Menschen in den Wüstenregionen selbst zu Gute kommen, die sich aber derzeit keinen Solarstrom leisten können. Deswegen brauchen wir einen Güterausgleich zwischen den unterschiedlichen Interessen. Ziel muss es insgesamt sein, die Solartechnik durch eine breite Markteinführung zu einer für alle Menschen bezahlbaren Alternative zu machen.

Wüstenstrom ist dabei selbstverständlich nur ein Teil der Lösung, weil die Infrastruktur für den Stromtransport in den meisten Ländern Afrikas fehlt. Daher werden für viele Menschen so genannte Insellösungen mit einzelnen Windkraft- oder Photovoltaik-Anlagen eine bessere Alternative sein. Trotzdem kann Strom aus Wüstenkraftwerken die Industrie und die Ballungsräume in den Ländern Afrikas mit sauberem Strom beliefern. Bei der derzeitigen Situation, die von der Ausbeutung und dem Export von Energierohstoffen wie Erdöl, Kohle, Uran oder Erdgas geprägt ist, sollte es jedenfalls nicht bleiben. Denn damit verbunden sind unmenschliche und ökologisch katastrophale Bedingungen für die Bevölkerung vor Ort sowie eine Verschärfung der ohnehin bedrohlichen Klimaveränderungen.


KONTRA: Afrika südlich der Sahara wird wieder einmal vergessen


Von Winfried Speitkamp

Ein afrikanisches Unternehmenskonsortium hat beschlossen, den Energiebedarf Afrikas künftig mit erneuerbarer Energie aus Europa zu decken. Deshalb sollen gigantische Windparks in Europa errichtet werden. Gerade die durch den Klimawandel bedingten zunehmenden Stürme in Zentraleuropa böten enorme Energiepotentiale, mit denen der geringe Strombedarf des subsaharischen Afrika problemlos gedeckt werden könne. Man werde sich bemühen, Windparks in Regionen zu installieren, die weitgehend menschenleer seien wie etwa Ostdeutschland.

Diese Fiktion ist geschmacklos, zynisch, abwegig? Nicht ganz. Tatsächlich hat ein deutscher Unternehmensverbund beschlossen, den Strombedarf Europas künftig mit erneuerbarer Energie aus Afrika zu decken. Deshalb sind gigantische solarthermische Kraftwerke in der Sahara geplant, die bis 2050 15 Prozent des europäischen Energiebedarfs decken sollen.

Aus historischer Sicht erinnert das Ganze ein wenig an die Kongo-Konferenz von 1884/85. Damals trafen sich Vertreter von dreizehn europäischen Nationen und der USA, um über die Inbesitznahme Afrikas zu sprechen. Afrikanische Vertreter waren nicht beteiligt. Das war der Auftakt zum „Scramble for Africa“, zur Aufteilung des Kontinents unter die europäischen Kolonialmächte. Und heute? Auch dieses Mal waren afrikanische Vertreter kaum beteiligt, als zwölf Firmen, an der Spitze die Münchner Rück, ihren Plan besprachen.

Keine Frage, die Sahara wäre ideal. Dort ist die Sonneneinstrahlung mehr als hinreichend, um den Strombedarf der ganzen Welt zu decken, und die technischen Fragen der Speicherung der Energie und des Stromtransports sind grundsätzlich gelöst. Dem Anschein nach ist alles nur eine Frage der Kosten. Wo also liegt das Problem? Es liegt in Afrika, und es betrifft politische und gesellschaftliche Aspekte.

Was Nordafrika angeht, so werden die entscheidenden Fragen von den Initiatoren bislang heruntergespielt. Zum Beispiel wie man politische Stabilität in den betroffenen Staaten wie Libyen und Algerien sicherstellen kann. Will Europa militärisch intervenieren, wenn Unruhen drohen oder wenn bei Wahlen Islamisten gewinnen, die alles andere im Sinn haben, als Europas Stromversorgung zu garantieren? Will man Diktatoren unterstützen, wenn es darum geht, regionale Gruppen zu vertreiben, die die Wüste seit Generationen nutzen und als ihr Territorium begreifen?

Die Wüste ist nicht menschenleer und nicht herrenlos – diesem Irrtum sind schon die Kolonialisten des 19. Jahrhunderts aufgesessen. Will man erneut tatenlos zusehen, wenn lokale und staatliche Akteure, auch kriminelle Banden und Milizen um erhoffte Profite kämpfen? Wie kann man aus den katastrophalen Erfahrungen mit Ölregionen wie Sudan und Nigeria lernen und sicherstellen, dass nicht Warlords, korrupte Politiker und private Firmen den Gewinn einstreichen, die Bevölkerung aber leer ausgeht?

Afrika südlich der Sahara taucht zudem in den Planungen gar nicht erst auf. Die großen Verbundnetze, die als Visionen graphisch eindrucksvoll dargestellt werden, versorgen Europa und Nordafrika und enden in der Sahara. Alles, was südlich davon liegt, fehlt. Kein Wunder: Das subsaharische Afrika verfügt nur über sehr rudimentäre und marode städtische Stromnetze, der ländliche Raum ist praktisch gar nicht elektrifiziert.

Bis zu 96 Prozent des Energieverbrauchs ländlicher Privathaushalte werden mit Holz gedeckt, in den Städten sind es immer noch bis zu 50 Prozent. Für den gewerblichen Bedarf werden häufig Dieselgeneratoren genutzt. Die ökologischen Folgen sind unabsehbar. Staaten wie Uganda und Tansania suchen nach lokalen, dezentralen Lösungen, etwa mit Photovoltaik. Solarthermie kann hier aus klimatischen Gründen nicht genutzt werden. Ein Leitungsnetz kann aus finanziellen und praktischen Gründen, beispielsweise illegale Entnahmen, Diebstahl von Kabeln nicht installiert werden.

Kurz: Solarthermische Anlagen in der Sahara können vielleicht dazu beitragen, Europas Energieprobleme zu lösen. In Afrika dagegen schaffen sie neue Probleme. Und Afrika südlich der Sahara würde wieder einmal vergessen.


Andree Böhling
ist Energie- und Klimaexperte bei der Umweltschutzorganisation Greenpeace.

Winfried Speitkamp
lehrt Neuere Geschichte an der universität Gießen. er hat sich besonders mit der Geschichte afrikas befasst. Soeben ist seine „Kleine Geschichte afrikas“ (Reclam) in zweiter auflage erschienen.

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Heidi Schiller schrieb am 03.08.2009 um 14:48:04
An beiden Sichtweisen ist was dran. Ja, das Projekt h?tte das Zeug, die Erneuerbaren Energien auch "fl?chendeckend" und mit einer gewissen Gr??enordnung salonf?hig zu machen. So weit, so gut. Zumindest f?r uns Europ?er, deren Sichtweisen die Debatte bisher dominieren. Und was haben die Herkunftsl?nder davon? Strom oder nicht Strom? Die Angaben, wie viel Strom tats?chlich nach Europa geht und wie viel in den L?ndern selbst bleibt, reichen von 20% f?r Europa und 80% vor Ort bis zum umgekehrten Verh?ltnis. Nachdem gro?e deutsche Energieversorger am Desertec-Konsortium beteiligt sind, d?rfte sich das Ergebnis wohl eher in Richtung 80% Export aus der W?ste bewegen. Bis tats?chlich Strom flie?t, bl?st aber noch viel Sand durch die W?ste. Bis dahin flie?t vor allem Geld, viel Geld in die Entwicklung der hei? diskutierten Sonnenkraftwerke. Und genau das kann zum Problem werden. Denn wo viel Geld, da viele Erwartungen und viele Begierden. In diesem Fall von den afrikanischen Anrainerstaaten, die in Desertec das Allheilmittel f?r ihr eigenes, eklatantes Energieproblem sehen. Es bleibt zu bef?rchten, dass dieses Gro?projekt alle Aufmerksamkeit auf sich zieht, alle Ressourcen bindet und alle anderen Projekte lahm legt. Das d?rfte vor allem Projekte zur Versorgung der l?ndlichen Gebiete betreffen, selbst wenn sie schneller und billiger zu realisieren w?ren. Im schlimmsten Fall bleiben die jetzt liegen, bis Desertec kommt. Wenn es ?berhaupt kommt. Denn das ist alles andere als sicher. Heidi Schiller, GF KAITO Projekt GmbH. Nachhaltige Energieversorgung im l?ndlichen Afrika: http://www.kaito-afrika.de

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Frank Bode schrieb am 03.08.2009 um 9:23:26
Ich finde das Projekt insgesamt faszinierend. Zu den Bedenken hinsichtlich der im S?den der Sahara liegenden Regionen meine ich, man soll den zweiten Schritt nicht vor dem ersten tun. In Bezug auf die politischen und sicherheitstechnischen Belange bedarf es gr?ndlicher Vorbereitungen. Ihrer Religion entsprechend d?rfen die Moslems kein Land an die "Ungl?ubigen", an den Westen abtreten (Stichwort dar al islam). Vielleicht k?nnte man aber die Regierungen dazu bringen, die Fl?chen ?ber einen l?ngeren Zeitraum zu verpachten, so ?hnlich wie es einst mit Hongkong geschah. Damit w?ren die Abgrenzung und der Schutz der Anlagen m?glich, oder?

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Heidi Schiller schrieb am 03.08.2009 um 14:37:39
Hallo Herr Bode, stimmt - faszinierend ist das Projekt. Noch faszinierender als die Technik aber finde ich die Selbstverst?ndlichkeit, mit der wir meinen, uns aus der W?ste bedienen zu k?nnen. Wie kommen Sie eigentlich darauf, dass europ?ische Stromprobleme die "ersten" zu l?sen seien, und dann erst die der anderen? Meines Erachtens w?re es oberstes Gebot, diejenigen zuerst mit Strom zu versorgen, die gar keinen haben. Was ?brigens um einiges schneller und billiger als mit Desertec ginge, ohne weniger modern und technisch ausgereift zu sein. Danach k?nnen wir mit unserer vergleichsweisen Luxusdebatte immer noch von dem profitieren, was ?brig bleibt. In der Zwischenzeit k?nnten wir schon mal dr?ber nachdenken, womit wir Energie einsparen k?nnten. Die Debatte geht bei der Aussicht auf vermeintliche Unendlichkeit der Ressourcen ja v?llig verloren. Heidi Schiller, GF KAITO Projekt GmbH Nachhaltige Stromversorgung im l?ndlichen Afrika http://www.kaito-afrika.de

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Frank Bode schrieb am 04.08.2009 um 9:03:20
Hallo Frau Schiller, ich danke f?r Ihre Meinung. Zun?chst mu? ich klarstellen, da? mich nicht allein der technische Aspekt fasziniert. Ich bin davon ?berzeugt, da? ein derartiges Projekt eine gro?artige Chance bietet, als Deutsche, als Europ?er die M?glichkeiten unserer Technologie, ja unserer Arbeitskultur wirkungsvoll zu demonstrieren und auch selbst davon zu profitieren. Damit gelingt es vielleicht sogar, der kriegerischen Auseinandersetzung, die seit dem 11.9.2001 besteht eine Wendung zum Guten hin zu verleihen. Mir kam schon kurz nach den Anschl?gen die Idee, mit wirtschaftlich orientierten Strategien , konkret mit Sonnenstromprojekten der muslimischen Welt eine M?glichkeit anzubieten, ihr demographisches Desaster zu mildern und die Energien der "Jungm?nner" in produktive Bahnen zu lenken. Ich meine, f?r ein solches Ziel ist auch angesichts unserer geografischen N?he zu diesen L?ndern und der drohenden Massenmigration eigentlich kein Preis zu hoch. Es geht aber auch nicht darum, sich in irgend einer Weise an Ressourcen zu "bedienen", sondern es dreht sich hierbei in erster Linie alles um ein gigantisches Gesch?ft... und das ist gut so. Money makes the world go round. Ich verstehe auch nicht ganz, weswegen wir V?lkern und St?mmen, die uns, dem Westen im wesentlichen ablehnend, bis hin zur Feindseligkeit (Koran mal studieren!) gegen?berstehen einfach mal so "helfen" sollen. Das schafft nur Missverst?ndnisse. Beim Gesch?ft hingegen haben beide Seiten was davon und keine mu? ihr Gesicht verlieren. Selbst ein Kalter Krieg ist zehnmal besser als ein Hei?er.

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Ulrich Mercker schrieb am 07.08.2009 um 16:15:12
Ja, da kann's einem dann doch schon die Sprache verschlagen, lieber Herr Bode. Ich w?rde eher sagen: money makes the world go crazy, wie wir soeben erleben. Und Ihre noblen Absichten, die ?bersch?ssigen Energien arabisch muslimischer "Jungm?nner" in konstruktive Mitarbeit an gigantomanischen deutschen Konzernprojekte zu kanalisieren, bed?rfen keines weiteren Kommentars. Was mich vielmehr umtreibt, ist das verantwortungslose Geschw?tz der Greenpeace-Aktivisten, die mit ihrem vorschnellen Jubel das perfekte Alibi f?r die Konzernmanager der M?nchener R?ck, der Deutschen Bank und Eon sowie RWE geliefert haben. In s?mtlichen Pressemeldungen wurde immer wieder lobend erw?hnt, da? Desertec auch von Greenpeace begeistert unterst?tzt wird. Ich frage mich: Ist es schlicht naiv oder eine gezielte Frechheit, wenn der Energieexperte Andree B?hling in seinem Beitrag die falsche Alternative aufmacht: "Wir sollten nicht zwischen dezentralen und zentralen Energien ausw?hlen, sondern zwischen umweltsch?dlicher und umweltfreundlicher Stromerzeugung." Es ist gerade die Dezentralit?t der umweltfreundlichen erneuerbaren Energieproduktion, die die gesamte etablierte Energiepolitik erfolgreich unterwandert hat und ungeahnte Produktivit?tsspr?nge ausgel?st hat. Desertec ist dagen der durchschaubare Versuch der fossilen Stromer, verlorenes Terrain mit immensem Kapitalaufwand sich wieder anzueignen und zentralisierter Kontrolle und Preisgestaltung zu unterwerfen. Da? sie diesen ganzen Zauber auch noch ohne die geringste Beteiligung afrikanischer Vertreter in Szene setzten, wirft ein bezeichnendes Licht auf die in M?nchen versammelten neuen W?stentechniker. Bonn, 7.8.09

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Frank Bode schrieb am 15.08.2009 um 18:11:38
Aber Hallo lieber Herr Mercker, Sie k?nnen sich doch ?ber die Frage, wer denn ein solches Gro?projekt auch ausf?hrt nicht einfach hinwegsetzen. Man wird vor Ort Tausende Arbeitskr?fte brauchen und ich meine schon, dass dies eine gute Gelegenheit bietet, den jungen M?nnern einen strukturierten, von Arbeit gepr?gten Tagesablauf nahezubringen, einen gerechten Lohn zu zahlen und die Sichtweise auf den Westen und seine M?glichkeiten neu zu definieren. W?hrend eines Tunesien-Urlaubs vor einigen Jahren fand ich es sehr anr?hrend, mit welcher Begeisterung die jungen Burschen dort ihre selbst zusammengebastelten Schrottautos als Taxis feilboten. Desertec w?re eine sinnvolle und ?berschaubare Aufgabe f?r alle Seiten. Au?erdem wird die dauerhafte Anwesenheit vieler Europ?er zur multikulturellen Bereicherung der dort lebenden Menschen beitragen. Zu den Alternativenergien mu? ich bemerken, da? wir leider in geographischen Breiten wohnen, in denen die Sonnentage rar sind. Seit ca. 5 Jahren habe ich eine Solarzelle auf dem Dach meines WoMos und messe gelegentlich den Strom. Eigentlich passiert das ganze Halbjahr lang nicht viel und ich denke, da? dezentrale L?sungen eine richtig gute Chance im Bereich der Kraft-W?rme-Kopplung haben. Mit einem BHKW wird doch die Energie des Brennstoffes fast zu 100% ausgenutzt. Mehrere Haushalte haben Strom, sind vom gro?en Leitungsnetz unabh?ngiger, k?nnen Luft und Wasser heizen und auch Elektroautos machen dann Sinn. Als Betriebsstoff kommen neben Heiz?l und Gas auch erneuerbare Energietr?ger wie Pflanzen?l und Methangas in Frage. Solarzellen k?nnen die Insell?sungen in den sonnigen Monaten in idealer Weise erg?nzen. Die Industrie, und von der kommt ja doch in volkswirtschaftlicher Hinsicht ein sehr hoher Wertsch?pfungsanteil, braucht aber Strom in anderen Dimensionen. Perspektivisch konnte man sich bisher ja nur die Alternativen Atomstrom oder Fossilenergie wie ?l, Gas und Kohle vorstellen. Hierbei sind die bekannten Sicherheitsrisiken nicht einfach wegzudiskutieren. Andererseits scheint mir die Idee, das bei der Verbrennung erzeugte CO2, also die Pflanzennahrung mit viel Aufwand in der Erde vergraben zu wollen, ein ersch?tternder Unsinn zu sein. Desertec bietet einen dritten und tats?chlich realistischen L?sungsansatz. Es geht aber halt nur in geographischer N?he und dort, wo fast immer die Sonne scheint. Wenn die ersten Sonnenkraftwerke in der Sahara tats?chlich stehen und arbeiten werden sich Mittel und Wege finden lassen, die benachbarten Regionen in das Projekt einzubinden, nicht nur "Hilfe zu leisten", sondern faire, auf Gegenseitigkeit beruhende Beziehungen einzuleiten. Ich w?nsche mir im Diskurs zum Theme vor allem keine Denkverbote und weitestgehende Ideologiefreiheit. Die e i n e gro?e Universall?sung wird es nicht geben.

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Christian Ehrhardt schrieb am 26.08.2009 um 15:05:24
Wenn ich die Kommentare lese, finde ich es sehr inspirirend, wie konstruktiv dieser Diskurs stattfindet. Was mir noch zu sagen bleibt, ist, dass eine vorschnelle Euphorie (wie sie bei Greenpeace bem?ngelt wurde), wohl nicht angebracht ist. So ist beinahe immer da, wo (viel) Geld zu verdienen ist, schnell zu beobachten, wie gro?e Monopolkonzerne sich den notwendigen Einfluss sichern um ?bergro?e Rendite zu erwirtschaften und dabei oft ethisch relevante Gesichtspunkte verlorengehen. Um tats?chlich nicht nur unsere ?kologischen Probleme zu l?sen, sondern wirklich f?r kulturellen Austausch zu sorgen und die Beteiligung der dort lebenden Menschen zu sichern, w?re als L?sung vielleicht die Gr?ndung einer multinationalen Gesellschaft, zu deren Besitzern dann die beteiligten Staaten und andere Organisationen geh?ren, sinnvoll. In jedem Fall muss die gerechte Anteilhabe aller Beteiligten oberste Priorit?t haben, da sonst verh?ngnisvolle Konflikte ausgel?st oder vertieft werden.

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Frank Bode schrieb am 28.08.2009 um 17:57:32
Zum Kommentar von Herrn Ehrhardt m?chte ich zun?chst mal bemerken, da? sicher jede wirtschaftliche T?tigkeit im afrikanischen Mittelmeerg?rtel eine gute Sache verk?rpert. Auch die Beteiligung arabischer Anleger an einer solchen multinationalen Gesellschaft ist sicher hundertmal sinnvoller als die Errichtung touristischer Protzbauten und der k?stlichen Palmeninseln, die sowieso in ein paar Jahren vom Meer wieder gefressen werden. Die in Frage kommenden K?stenstaaten Marokko, Tunesien, Libyen, Algerien und ?gypten haben nur allesamt keine verl??lich stabilen und demokratischen Verh?ltnisse. Im ung?nstigen Fall kann durch Putsch oder Wahl eine linke oder islamistische (oder linksislamistische) Machtergreifung erfolgen und dann werden die Anlagen nach dem Vorbild von Hugo Chavez einfach verstaatlicht. Ich beharre deshalb auf meinem Standpunkt, da? nur die ?bertragung hoheitlicher Rechte auf das Territorium von Anlagen und Zuleitung auf gewisse Laufzeit die rechtliche Grundlage sein kann. Dann lassen sich die kostspieligen Investitionen notfalls auch milit?risch sichern. Dazu noch ein Beispiel aus der Vergangenheit. Ein Verwandter erz?hlte mir mal in den 80ern, dass die damalige s?dafrikanische Regierung zum Schutz der Hochspannungsleitungen vom Wasserkraftwerk Cabora Bassa am Sambesi in Mosambik bei KraussMaffei einen Panzerzug kaufte. Dieser war dann mehrmals am Tag entlang der Trasse unterwegs, um die marodierenden B?rgerkriegsparteien fernzuhalten. Ich habe diese Sache allerdings noch nicht recherchiert. Vielleicht findet jemand noch was dazu heraus?

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G.Lohmann schrieb am 29.12.2009 um 14:40:49
Hallo Herr Bode, interessant finde ich, da? nach Ihrer Idee, die Investitionen im W?stensand notfalls mit Gewalt zu sch?tzen, die Debatte sofort abbrach. Dabei haben Sie mit der Warnung recht, zu sorglos mit wenig stabilen u/o undemokratischen Staaten umzugehen. Nur gibt es eben aus heutiger Sicht keine umsetzbare L?sung, weder was die politischen Gegebenheiten betrifft noch was die technische Seite angeht. Schon beim Erdgas erzeugt die Abh?ngigkeit von wenigen Gro?lieferanten ein tiefes Unbehagen und das kann man nicht verkleinern durch milit?ische Ma?nahmen (deutsche Soldaten in Russland?)Dann ist die Vorstellung auch nicht vertrauenserweckend, da? die besonnten Fl?chen ausnahmlos in muslimisch regierten Staaten liegen, also L?ndern, die eine Trennung von Religion und Staat nicht kennen. Wie instabil solche Gebiete sind, erleben wir seit Jahrzehnten im Nahen Osten, in Afghanistan und aktuell im Iran. Hier kann ich mir Vertragstreue ?ber Jahrzehnte nicht vorstellen. Die technischen Probleme will ich hier nicht breit aufrollen, bekannt ist aber, wie wenig 20 Jahre Photovoltaik zur Stromgewinnung in Deutschland beigetragen haben- etwa 1%. Auch ist bekannt, wie lang die Zellen und Anlagen laufen m?ssen, bis die f?r ihre Herstellung n?tige Energie wiedergewonnen ist, es sind Jahre. ?ber Utopien l?sst sich bequem diskutieren, warum nicht Solarzellen im Weltall? Immer wird bei zu gro?en Hindernissen zum Naheliegenden gegriffen- und das sind die AKWs. Wollen wir wetten, da? vor Beginn der Bauarbeiten in den W?sten ein paar AKWs gebaut werden?

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