Kurzrezensionen
Petra C. Gruber (Hg.),
Wie wir überleben! Ernährung und Energie in Zeiten des Klimawandels
Verlag Barbara Budrich, Opladen 2010,
180 Seiten, 19,90 Euro
Dass der Klimawandel und der Anstieg der Weltbevölkerung viele Probleme unserer Zeit verschärfen werden, wird in diesem Buch von Experten aus unterschiedlichen Fachgebieten einmal mehr betont. Sie erläutern ihre „Rezepte“ für den Umgang mit Ernährung, Migration, Treibhauseffekt und Energieversorgung. Das Buch ist ein wissenschaftliches Plädoyer für einen fundamentalen Kurswechsel und eine „Neue Grüne Revolution“. Es ist zugleich eine Absage an die industrielle Landwirtschaft und natürlich ein Appell an die Entscheidungsträger, jetzt zu handeln.
Deutlich wird vor allem, dass es keine universellen Lösungen gibt. Langfristig werden nur an die einzelnen Länder angepassten Lösungen die Lebensräume erhalten. Soweit also nicht viel Neues – dieser Gedanke drängt sich auf. Doch die Autorinnen und Autoren führen anschaulich die unmittelbaren Folgen von Entwicklungen vor Augen, die das Menschenrecht auf Nahrung gefährden. Sie stellen das alte neoliberale Leitbild von Wachstum zur Verringerung von Armut zur Diskussion und liefern konkrete, realisierbare Vorschläge für das Erreichen von Ernährungssouveränität. So zeigt Markus Schermer Wege auf, wie die Produktion und der Vertrieb von Lebensmitteln wieder stärker regionalisiert werden können. Auch der Beitrag von Wolfgang Sachs, der Armut nicht als Mangel an Geld, sondern als Mangel an Macht definiert, schafft Raum für neue Ideen zur nachhaltigen politischen Entwicklung. Insgesamt ist das Buch durchaus lesenswert.
(lw)
Katrin Dobersalske
Die rot-grüne Energiewende.
Nachhaltige Energienutzung in der Entwicklungszusammenarbeit unter Rot-Grün
Tectum Verlag, Marburg 2010,
172 Seiten, 24,90 Euro
Energie ist in vielen Staaten ein knappes Gut. Die Entwicklungszusammenarbeit (EZ) will die Entwicklungs- und Schwellenländer bei der umweltschonenden Erzeugung und Nutzung von Energie unterstützen. Deutschland gilt als Vorreiter in Sachen Umwelt- und Klimapolitik. Die Autorin untersucht, wie sich die nachhaltige Energienutzung in der deutschen bilateralen Entwicklungszusammenarbeit unter der rot-grünen Bundesregierung entwickelt hat. Sie hinterfragt die Ansätze und Strategien der deutschen Energiepolitik und EZ zwischen 1998 und 2005. In dieser Phase seien die Mittel für erneuerbare Energien und Energieeffizienz im Bereich der EZ zwar signifikant erhöht worden. Rot-Grün habe damit einen richtigen Weg gewiesen. Zu kurz gekommen seien jedoch die ärmsten Länder, denen alternative Energiequellen besonders nützen könnten.
Skeptisch ist die Autorin gegenüber der neuen Leitung des Bundesministeriums für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung und deren Ziel, die Wirtschaft stärker in die Entwicklungszusammenarbeit einzubeziehen. Auch eine grundsätzliche Veränderung des weltweiten Energiesystems, das vorrangig auf die Nutzung von Erdöl und Kohle setzt, lasse weiterhin auf sich warten, kritisiert sie.
(fe)
Femina Politica – Zeitschrift für Feministische Politikwissenschaft, 01/2010:
Feministische Perspektiven auf Nachhaltigkeit
Verlag Barbara Budrich, Leverkusen 2010,
160 Seiten, Einzelheft 18 Euro
„Geschlechtergerechtigkeit (und keineswegs weibliche Naturverbundenheit) ist ein Kernstück der nachhaltigen Entwicklung.“ Diese These belegen im Schwerpunktteil des Heftes insgesamt acht Autorinnen sowie ein Autor. Sie nehmen verschiedene Bereiche von Nachhaltigkeitspolitik in den Blick. Da geht es um Gender in der internationalen Biodiversitätspolitik, Geschlechtergerechtigkeit als Mandat für internationale Klimaverhandlungen und Geschlechterverhältnisse in der Bildung für nachhaltige Entwicklung. Ein einleitender Beitrag skizziert die Geschichte feministischer Nachhaltigkeitspolitik. Die Politikwissenschaftlerin Sherilyn MacGregor kritisiert in einem englischsprachigen Beitrag den Ökofeminismus, wie ihn Vandana Shiva oder Maria Mies bekannt gemacht haben. MacGregor hat das Konzept der „feminist ecological citzienship“ entwickelt.
Für Nicht-Politikwissenschaftlerinnen sind diese Texte eher schwere Kost. Allerdings geht es auch um internationale Netzwerke und Initiativen, mit denen feministische Positionen in die globale Nachhaltigkeitspolitik eingebracht werden. Und da sich auf diesen Feldern auch die Lobbyistinnen und Lobbyisten von Entwicklungsorganisationen bewegen, kann die Lektüre auch für letztere lohnend sein. Neben dem Schwerpunktthema enthält der Band mehrere wissenschaftliche Artikel, die sich aus feministischer Sicht mit der Finanz- und Wirtschaftskrise beschäftigen – und auch die ist ja für Entwicklungspolitik nicht unerheblich.
(ar)


