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welt-sichten. Magazin für Entwicklungspolitik und ökumenische Zusammenarbeit

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Leserbriefe

Unrecht gegen Gaza

Zum Kommentar „Gegen Israel“, welt-sichten 7/2010

Ich war doch sehr erstaunt, Ihren Kommentar zu lesen, der sich weitgehend mit der israelischen Delegitimierungskampagne gegen die Hilfs-Flotille für Gaza deckt. Woher wollen Sie wissen, dass diese Unternehmung „nicht nur gegen eine bestimmte Politik oder ein Regime, sondern gegen einen ganzen Staat“ zielte?

Die Gaza-Blockade Israels gegen Gaza war und ist ein schwerer Verstoß gegen das Völkerrecht, der von Deutschland, Europa und der Staatengemeinschaft als ganzer nie wirklich sanktioniert wurde. Anderthalb Millionen Menschen, Gottes Geschöpfe wie Sie und ich, werden von Israel mit Kollektivstrafe ins Elend gestürzt. Da hätte ich mir „welt-sichten“ an der Seite der Menschenrechte und des Völkerrechts gewünscht – nicht etwa dagegen, wie dieser Kommentar nahelegt.

Mir ist bewusst, dass die Unlösbarkeit des Nahostkonflikts damit zu tun hat, dass Israel de facto als ein Staat behandelt wird, der es sich leisten kann, die UN-Sicherheitsrats-Resolutionen 242 und 338 (und viele andere) in den Papierkorb zu werfen – und die Welt schaut tatenlos zu. Ausbaden müssen das die Palästinenser, die zu den rechtlosesten Menschen dieser Erde gehören. Das ist ein Skandal, wo doch der Westen sich immer als Hüter des Völkerrechts und der Menschenrechte aufspielt.

Wer Israel bloßstellt und scharf kritisiert – und das tat die Gaza-Flotille vor einer zum Unrecht gegen Gaza schweigenden Welt – ist nicht gegen den Staat Israel. Das ist absurd! Wer für einen fairen und gerechten Frieden im Palästina-Konflikt eintritt, ist gerade daran interessiert, dass der Staat Israel nicht seine Zukunft verspielt, sondern sichert. Und das geht nur durch friedliche Nachbarschaft zu den arabischen Staaten, die Israel seit 2002 ein Friedens-Angebot machen, auf das Israel bis heute nicht geantwortet hat. Darüber sollten Sie einmal schreiben, denn das ist sehr vielen Nahost-Beobachtern nicht bewusst.

Hermann Kuntz, per E-mail



Kaum Perspektive

Zum Interview „Die Perspektive der Schwachen anmahnen“, welt-sichten 6/2010

Vom Interview mit dem neuen Generalsekretär des ÖRK bin ich enttäuscht. Schon die Überschrift ist ein Salto rückwärts. Die Perspektive der Schwachen wird nicht etwa eingenommen, nein, sie wird angemahnt! Und so setzt sich das Interview fort: „Der ÖRK sollte weiter ein Forum für die Diskussion über wirtschaftliche Gerechtigkeit sein.“ Da würden alle Banken und Interessenverbände der Industrie begeistert zustimmen. Aber was ist mit dem AGAPE-Programm „Alternative Globalisierung im Dienst von Menschen und Erde“? Gibt es das noch?  

Dann die abenteuerliche Formulierung des neuen Generalsekretärs: „Wir sollten uns nicht im Streit über Homosexualität und Frauenordination verlieren.“ In derselben Nummer von „welt-sichten“ wird aus Tansania berichtet: Kirche wettert gegen Schwule. Was hat der Generalsekretär dazu gesagt? Zur Einheit der Christen sagt Olav Fykse Tveit: Der ÖRK kann die konfessionelle Frage nicht allein lösen, und wir müssen die Partnerschaft zu den Pfingstkirchen suchen. Nicht schlecht. Aber die tiefgreifende Krise in der katholischen Kirche, die auch den Ökumenischen Kirchentag belastet hat, wird von den Interviewpartnern nicht für erwähnenswert gehalten.

„welt-sichten“ als renommiertes Magazin für globale Entwicklung und ökumenische Zusammenarbeit hätte dem neuen Generalsekretär des ÖRK mal richtig „auf den Zahn fühlen“ sollen. Die Fragen waren zu global. Das nutzte der Kirchendiplomat für Ausführungen, die sympathisch klingen, aber nicht festlegen. Der Leser lernt, dass der neue Generalsekretär ein Mann des Ausgleichs ist. Eine der zentralen Fragen wurde von „welt-sichten“ gar nicht gestellt: Wozu brauchen wir in Zukunft einen ÖRK in Genf, der die deutschen Kirchen und die evangelische Entwicklungsarbeit Millionen kostet? Ich hätte gern erfahren, wie sich der neue Generalsekretär die Runderneuerung des Stabes in Genf denkt. Und wo bleiben die entwicklungspolitischen Visionen des ÖRK? Was wird aus dem ökumenischen Einsatz der Kirchen für Frieden in von Bürgerkriegen zerrissen Regionen wie dem Sudan?

Ich erwarte von solch einem Interview mehr als weichgespülte, vage Aussagen zu Frieden, Menschenrechten und Klimawandel. Liebe Redaktion: Habt Mut, den Verantwortungsträgern der Kirche konkretere Fragen zu stellen.

Wilfried Steen, Rabat, Malta



Werbepolitik überdenken

Zur Stellenanzeige der Bundeswehr

Es irritiert mich zutiefst, wenn in einer entwicklungspolitischen Zeitschrift Werbung einer weltweit operierenden Kriegseinrichtung veröffentlicht wird und keine kritische Distanzierung dazu wahrnehmbar ist. Der Untertitel der „welt-sichten“ – Magazin für globale Entwicklung und ökumenische Zusammenarbeit – verweist doch gerade auf den konstruktiven Anspruch einer zukunftsorientierten Entwicklungs- und Friedensarbeit. Es braucht also nicht einmal eine radikalpazifistische Grundhaltung, um zu erkennen, dass der Fokus der Zeitschrift und der Anspruch der Bundeswehr nicht deckungsgleich sind. Denn die in der Werbung geforderten Aufgaben sind genuin militärisch und bezogen auf Kriegseinsätze. Ich bitte inständig darum, die Werbepolitik der „welt-sichten“ hinsichtlich konstruktiver Friedens- und Entwicklungspolitik zu überdenken und auf militärische Werbung in Zukunft zu verzichten. Zu fragen ist, ob die Anzeige der Kriegsmaschinerie (wenn auch politisch legitimiert) notwendig ist, um publizistisch handlungsfähig bleiben zu können.

Gregor Lang-Wojtasik, Weingarten



Unerträglich

Ebenfalls zur Stellenanzeige der Bundeswehr

Seit mehreren Monaten gibt es in Ihrer Zeitschrift Anzeigen der Bundeswehr. Dies finde ich unerträglich. Zu Beginn des Afghanistan-Krieges haben die deutschen Soldaten angeblich vor allem Brunnen gebaut, dann haben sie auch geschossen und Bomben abwerfen lassen; die neue alte Strategie heißt seit kurzem: Verstärkung der militärisch–zivilen Zusammenarbeit, und in Zukunft geht es gemäß Anzeigentext dann wohl um die militärisch-kulturelle oder militärisch-interkulturelle Zusammenarbeit. Wann werden wir die militärisch-ökumenische Zusammenarbeit haben?

Mit dem Platzieren von Anzeigen in (vormals) kritischen Zeitschriften und mit diesem Anzeigentext geht es der Bundeswehr und den Kriegs befürwortenden Kräften in unserer Gesellschaft um eine Vernebelung jedes engagierten und gesellschaftskritischen Bewusstseins und um die Normalisierung des Militärischen.

Bernhard Fedler, Wuppertal


Die Redaktion freut sich über Leserbriefe, behält sich jedoch vor, sie zu kürzen.

welt-sichten 08-2010