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Der Aufstieg von Mahmud Ahmadinedschad

Kasra Naji
Ahmadinejad. The Secret History of Iran’s Radical Leader
IB Tauris, London 2008, 298 Seiten,
12,99 Pfund (15 Euro)


Ein deutsches Boulevardblatt betitelt ihn gerne als den „Irren von Teheran“. Doch was treibt Mahmud Ahmadinedschad um? Was will dieser Mann, der bei den Wahlen am 12. Juni 2009 angeblich 62 Prozent der Iraner für sich gewonnen hat und seine Vereidigung für eine zweite Amtszeit gegen massive Proteste der Opposition durchsetzen konnte? Kasra Najis Buch ist eine große Hilfe, um sich darüber ein Bild zu machen. Der Journalist, der viele Jahre für die BBC aus Teheran berichtete, hat akribisch recherchiert und eine lesenswerte Biographie vorgelegt.

Mahmud Ahmadinedschad, der 1956 in Garmsar geboren wurde, stammt aus einfachen Familienverhältnissen, sein Vater galt als tief religiös. Er kommt bereits als Kind aus der ländlichen Gegend Semnan nach Teheran und schreibt sich 1976 an der Universität für das Fach Tiefbau ein. Er liest Ali Shariati, und vor allem dessen Buch Eslamshenasi (Islamwissenschaft) beeinflusst ihn sehr: Dass der Islam mehr sei als nur eine Religion, wird auch für ihn zu einem Credo. Er hält Kurse ab, die eigentlich nur den Koran vermitteln sollen, aber gemäß seiner Überzeugung auch aktuellen politischen Inhalts sind. Ayatollah Khomeinis Vorlesungen „Hukumat-e eslami“, die Islamische Regierung, bespricht er unter anderem.

In den Revolutionsjahren schließt sich Ahmadinedschad einer radikal islamistischen Vereinigung an. Mit dem heutigen Revolutionsführer Ali Chamenei verbindet ihn eine alte Freundschaft, erzählt das Buch: Ahmadinedschad kennt den Mann, der während der Präsidentschaftswahlen so bedingungslos zu ihm stand, dass ihm vorgeworfen wurde, die ihm zukommende Aufgabe als unparteiische Instanz aufgegeben zu haben, schon seit den ersten Tagen der Revolution. Als 1980 der Krieg gegen den Irak ausbricht, aktiviert Ahmadinedschad seine Kontakte zu den Revolutionsgarden. Hier lernt er auch Ismail Ahmadi Moghadam kennen, der es später bis zum Chef der Basidschi, der paramilitärischen Einheit, bringen soll und sie 2005 dazu mobilisiert, Ahmadinedschad zum Präsidenten zu wählen.

1997 beteiligt sich Ahmadinedschad am Präsidentschaftskampf von Nateq Nuri und zieht sich, nachdem dieser die Wahl gegen Mohammad Chatami verloren hat, aus der Politik zurück. Er schließt sein Studium mit einer Promotion im Bereich Transportwesen ab und beginnt, an der Universität zu lehren. Seine Studenten sagen, in seinem Unterricht ging es lustig zu – nicht die einzige Stelle, an der das Buch den Leser zum Staunen bringt. Bei den Stadtratswahlen 2003 wird Ahmadinedschad ins Parlament und zum Bürgermeister von Teheran gewählt. Naji beschreibt, wie er kontinuierlich seine Machtbasis ausbaut, bis er 2005 die Präsidentschaftswahlen gewinnt. Von seinen Hinterlassenschaften als Teheraner Bürgermeister kann Naji nur wenig berichten: Die wichtigste – und quasi einzige – sei die Einführung von „U-Turns“ im Verkehrschaos gewesen.

Najis Analyse der Position Ahmadinedschads im Atomkonflikt ist aufschlussreich. Er bettet sie ein in die Geschichte des Gefühls, dass Iran sich bedroht sieht. Ein Brief von Ayatollah Chomeini an die Revolutionsgarden vom 16. Juli des Jahres 1988, als Iran sich noch mit Irak im Krieg befand, wird von Naji als erste Äußerung in die Richtung gedeutet, dass in der iranischen Politik ein Konsens bestand und besteht, wonach das Land die Bombe braucht – allerdings zur Abschreckung, nicht zum Angriff. Daran habe sich in all den Jahren unter wechselnden Regierungen, von Rafsandschani über Chatami bis hin zu Ahmadinedschad, nichts Grundlegendes geändert.

Katajun Amirpur

welt-sichten 09-2009