Kurzrezensionen
André Gerth, Anna Noweck
und Simone Rappel (Hg.)
Religionen im Kampf gegen HIV/Aids
Quellen – Spiritualität – Ethik
Don bosco Verlag 2009,
112 Seiten, 10,90 Euro
Religion könne Weichen für soziale Entwicklungen und Modernisierungsprozesse stellen, heißt es in der Einleitung. Doch sei ihre Rolle über Jahrzehnte hinweg skeptisch betrachtet worden – besonders im Blick auf die Entwicklungszusammenarbeit im Bereich HIV/Aids. Mittlerweile werde ihr „wertorientierter Zugang“ jedoch anerkannt, unter anderem vom Programm der Vereinten Nationen UNAIDS. In dem Sammelband stellen Partner des katholischen Hilfswerkes missio Glaubensüberzeugungen aus Buddhismus, Hinduismus, Islam, traditionellen afrikanischen Religionen und dem Christentum vor, die sie zum Kampf gegen HIV/ Aids sowie für eine interreligiöse Zusammenarbeit motivieren. Das Buch berichtet über das große Engagement der katholischen Kirche bei der Betreuung von HIV-positiven und aidskranken Menschen in Indien. Dagegen sind die Ausführungen zur Prävention enttäuschend. Enthaltsamkeit und Treue seien entscheidend, heißt es lediglich. Nichts wird im Kapitel über den christlichen Beitrag dazu gesagt, wie Menschen geholfen werden kann, die diesen Weg noch nicht eingeschlagen haben oder – im Falle vieler Frauen – nicht einschlagen können. Über den Schutz mittels Kondomen ist nichts zu lesen; noch nicht einmal über die Tatsache, dass dieser innerhalb der katholischen Kirche kontrovers diskutiert wird. Der Lebenswirklichkeit vieler Menschen wird das nicht gerecht. Und der Hinweis auf Kondome sollte Bestandteil jeglicher HIV-Prävention sein.
(fe)
Irene Freudenschuß-Reichl
und Kurt Bayer (Hg.)
Entwicklungspolitik und
Entwicklungszusammenarbeit
Manzsche Verlags- und Universitätsbuchhandlung, Wien 2008,
334 seiten, 46,69 Euro
Die Entwicklungsunterschiede zwischen reichen und armen Ländern sind noch immer enorm. Die Entwicklungspolitik und Entwicklungszusammenarbeit verfolgen das Ziel, sie zu verringern. Ihren inhaltlichen und organisatorischen Grundzügen ist dieser Band gewidmet. Die Beiträge von 13 internationalen Finanz-, Wirtschafts- und Entwicklungsexperten sind in Form eines Lehrbuches aufbereitet – jedes Kapitel steht für sich und enthält weiterführende Hinweise. Sie schildern den Wandel der Ent- wicklungsparadigmen, stellen internationale Institutionen wie die Vereinten Nationen, die Weltbankgruppe und die Welthandelsorganisation (WTO) vor und beleuchten die Finanzierung sowie die Effizienz der Entwicklungszusammenarbeit. Ferner werden die besonderen Schwierigkeiten der Entwicklungsarbeit in Afrika und in gescheiterten Staaten sowie die zivil-militärische Zusammenarbeit thematisiert. Abschließend befassen sich die beiden Herausgeber mit öffentlichen Gütern und global governance. Das Buch gibt einen dichten und informativen Einblick in die verschiedenen Bereiche der Entwicklungsarbeit. Vor dem Hintergrund der aktuellen Finanzkrise sind einige der Darstellungen, etwa über die Bretton-Woods-Institutionen, allerdings nicht mehr auf dem aktuellen Stand. Der Bezug zum Klimawandel fehlt völlig – den hätte man im Jahr 2007, als das Buch geschrieben wurde, schon herstellen können.
(gwo)
