Neue Studien
Kate Bayliss
Private Sector Participation in African Infrastructure: Is it worth the risk?
London 2009, 54 Seiten,
www.ipc-undp.org/pub/IPCWorkingPaper55.pdf
Hulya Dagdeviren und
Simon A. Robertson
Access to Water in the Slums
of the Developing World
Brasilia 2009, 32 Seiten,
www.ipc-undp.org/pub/IPCWorkingPaper57.pdf
In den 1990er Jahren waren viele Geber der Ansicht, die Infrastruktur in Entwicklungsländern könnte durch die Beteiligung privater Unternehmen verbessert werden. Diese Hoffnung hat sich seitdem nicht erfüllt, und zwei aktuelle Studien sprechen sich nun dafür aus, dass der Staat die Kontrolle über den Wasser- und Energiesektor behalten sollte.
Kate Bayliss zufolge haben die Befürworter sogenannter „öffentlich-privater Partnerschaften“ (Public Private Partnership, PPP) deren Möglichkeiten in Afrika stark überschätzt. Noch immer sei die Lage in den meisten afrikanischen Staaten miserabel. Fast zwei Drittel aller Afrikaner hätten keinen Zugang zu sanitären Anlagen. Für Sektoren wie Energie und Wasser seien langfristige Strategien wichtig, nicht kurzsichtige Privatisierungsversuche. In Guinea, Mali oder im Tschad seien PPPs im Wassersektor fehlgeschlagen, in Malawi und Benin sei mit der Verwirklichung der Pläne nicht einmal begonnen worden. Die Weltbank befürwortet laut der Studie weiterhin die Beteiligung des Privatsektors in den Bereichen Wasser und Energie, obwohl wissenschaftlich nicht erwiesen sei, dass in Afrika private Firmen die Leistungsfähigkeit der Sektoren erhöht hätten.
Die Wasserwerke von Uganda und Burkina Faso werden als erfolgreiche Beispiele für die Beteiligung des Privatsektors genannt. Träger der Werke ist dort allerdings der Staat. Die Privatwirtschaft habe lediglich geholfen, die Finanzierung und Buchführung sowie den geschäftlichen Bereich zu verbessern. Es sei riskant, privaten Firmen den Wasser- oder Energiesektor eines Landes komplett zu überlassen: Dem Staat könne dadurch technisches und wirtschaftliches Wissen verloren gehen. Wenn ein Privatunternehmen dann das Land verlasse, stehe der Staat mit leeren Händen da.
Zum gleichen Ergebnis kommen Dagdeviren und Robertson. Die Erfahrung zeige, dass private Träger die Versorgung armer Menschen in Slums mit Wasser nicht gewährleisten könnten. In vielen Fällen hätten private Firmen den Aufbau eines Leitungsnetzes nicht hinreichend finanziert, so dass der Staat helfen musste oder die Infrastruktur mangelhaft geblieben sei. Als Beispiele nennen die Autoren Tansania und die Elfenbeinküste. In der Folge böten meist kleine Privatanbieter Wasser in schlechter Qualität und zu hohen Kosten an..
(fe)
