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Abfallgas statt Windenergie

Der „Mechanismus für saubere Entwicklung“ hält nicht, was sein Name verspricht

Der Clean Development Mechanism (CDM) der Vereinten Nationen soll eigentlich zum Klimaschutz beitragen. Stattdessen subventioniert er seit Jahren die Klimaanlagenindustrie in einigen Schwellenländern und hilft windigen Geschäftemachern, sich die Taschen zu füllen. Jetzt haben die Verantwortlichen beim CDM endlich erste Konsequenzen aus diesem Missbrauch gezogen.

Beim CDM investieren Unternehmen aus reichen Ländern in Projekte in Entwicklungsländern, mit denen dort der Ausstoß von Treibhausgasen verringert wird. Dafür erhalten die Investoren Emissionsgutschriften, die sie auf ihre eigenen Reduktionsverpflichtungen anrechnen dürfen. Das ist für viele Unternehmen wie zum Beispiel Energieversorger billiger, als die gleiche Menge Treibhausgas bei sich selbst einzusparen.

Doch das meiste Geld aus dem CDM fließt nicht in eine umweltfreundliche Energieversorgung in Afrika, Asien und Lateinamerika, sondern in gigantische Industrieanlagen vor allem in China und Indien, in denen ein Kältemittel für Klimaanlagen hergestellt wird. Bei der Produktion entsteht ein extrem klimaschädliches Abfallgas mit der Bezeichnung HFC-23. Die Hersteller verbrennen das Gas und können dafür Emissionszertifikate verkaufen. Weil die Verbrennung viel weniger kostet, als die Gutschriften wert sind, streichen die Fabriken saftige Gewinne ein. Tatsächlich verdienen sie dank dem CDM mit der Vernichtung des Abfalls teilweise mehr als mit dem Verkauf von Kältemittel. Es verwundert daher nicht, dass laut Untersuchungen einige der Fabriken absichtlich mehr Abfallgas produzieren, als nötig wäre.

Mehr als die Hälfte der bisher verkauften CDM-Emissionsgutschriften stammt aus der HFC-23-Verbrennung. Dagegen sind in den Ausbau der Windenergie in Entwicklungsländern bislang nur fünf Prozent der über den CDM kanalisierten Investitionen geflossen. Mit anderen Worten: Der CDM subventioniert die Klimaanlagenindustrie und heizt die Produktion eines nutzlosen Abfallgases an, statt zu einer „sauberen Entwicklung“ beizutragen, wie sein Name verspricht.

Dieser Missstand ist seit Jahren bekannt, doch erst jetzt hat die CDM-Geschäftsführung eine Untersuchung in Auftrag gegeben und die Vergabe von Emissionsgutschriften aus fünf HFC-23-Projekten vorerst gestoppt. Die Regierungen Indiens, Chinas und Japans sowie die Weltbank, die mit Emissionszertifikaten aus der HFC-23-Verbrennung handelt, haben sich bereits gegen jegliche Änderungen ausgesprochen. Bleibt es dabei, nimmt der ohnehin schon lädierte Ruf des CDM weiter Schaden.


(ell)

welt-sichten 09-2010

 

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Andreas Najork schrieb am 16.09.2010 um 23:02:30
Hier w?ren ein paar Hintergrundinformationen hilfreich. Insbesondere taucht die Frage auf, was die Mitarbeiter der Weltbank dazu bewegt, den Handel mit HFC-23-Projekten zu bef?rworten (und durchzuf?hren...). Und als Link zu einer ausgewogenen Abhandlung ?ber Emissionshandel habe ich gefunden http://library.fes.de/pdf-files/ipg/ipg-2008-2/0- 8_a_luhmannsterk_d.pdf

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Georg Lohmann schrieb am 06.09.2010 um 17:36:15
Guten Tag, laut Wikipedia ist "Trifluormethan" ein nicht brennbares Gas. M?glicherweise meinen Sie, dass es mithilfe eines brennbaren Gases (Propan?) verbrannt wird, was bedeutet, dass es nicht mehr als klimasch?dlich (15000 mal wirksamer als CO2) vorliegt. Somit ist Ihre Kritik in der vorliegenden Form nicht berechtigt. Unzweifelhaft aber ist es unsinnig, ein Abfallprodukt nur deshalb herzustellen, weil seine Entsorgung profitabel ist.

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