Kurz notiert
Das geplante Freihandelsabkommen zwischen der südamerikanischen Handelsgemeinschaft MERCOSUR und der Europäischen Union stößt in Europa zunehmend auf Kritik, angeführt von der einflussreichen europäischen Agrarlobby. Fleisch- und Geflügelmäster sowie das Lebensmittel verarbeitende Gewerbe und der Handel fürchten die erstarkende Konkurrenz der MERCOSUR-Länder. Der EU ist an der Öffnung vor allem des größten südamerikanischen Markts für Industriegüter und Dienstleistungen – Brasilien – und an Aufträgen im Rahmen der öffentlichen Beschaffung dort gelegen. Im Gegenzug müsste Brüssel jedoch die hohen Zollschranken für verarbeitete Lebensmittel senken. EU-Außenhandelskommissar Karel De Gucht versuchte Anfang Juli die „Agrarier“ im EU-Parlament damit zu beruhigen, dass ein Abkommen mit dem MERCOSUR auch die Exporte für Wein, Käse, Früchte und Gemüse aus Europa steigern könnte.
Zu den Kritikern aus der Agrarbranche gesellen sich indessen auch Umwelt- und Entwicklungsgruppen. Sie weisen darauf hin, dass Brasiliens großflächige Produktion von „Biotreibstoffen“ Kleinbauern verdränge. Ein Thema des EU-Brasilien-Gipfels Mitte Juli waren Zollsenkungen der EU für Ethanol aus Rohrzucker, das brasilianische Konzerne zunehmend auch in Afrika produzieren wollen. Von dort könnten sie es billiger nach Europa exportieren, weil die EU-Zölle für Agrartreibstoff aus Afrika niedriger sind als für brasilianischen. Für die EU sind wachsende Importe von „Biotreibstoffen“ unausweichlich, wenn sie ihr Ziel erreichen will, weniger fossile Brennstoffe zu verbrauchen. Die eigene Ethanol-Produktion liefert nicht die benötigten Mengen.
(hc)


