Kurzrezensionen
Zeitschrift „Prävention und Gesundheitsförderung“,
Heft 1, Februar 2010, Springer Verlag, Heidelberg,
52 Seiten, 14 Euro
Das Heft widmet sich dem Schwerpunktthema „Primary Health Care“ (PHC) und greift damit Forderungen des Weltgesundheitsberichtes 2008 auf. Darin wird betont, dass die Gesundheitssysteme so gestaltet werden müssen, dass alle Menschen Zugang haben und gesundheitliche Chancengleichheit zumindest annähernd erreicht wird. Dazu muss die Gesundheitspolitik noch viel umfassender denken, als sie es bislang tut: Sie muss nicht nur das ganze Gesundheitssystem, sondern auch verwandte Themenfelder wie Ernährungssicherung, Wasserversorgung und Bildung im Blick haben. Die ausgezeichneten Beiträge hinterfragen unter anderem die Effizienz der PHC und stellen einen Zusammenhang zu Urbanisierung, Ernährungssicherung und globalen Gesundheitsinitiativen her. Das Fazit lautet: PHC ist auch im 21. Jahrhundert kein Patentrezept, aber der Systemansatz ist unverzichtbar, wenn es darum geht, nicht nur einzelne Krankheiten zu bekämpfen, sondern die Gesundheit insgesamt zu verbessern.
(dh)
Peter Geschiere
The Perils of Belonging.
Autochthony, Citizenship, and Exclusion in Africa & Europe,
University of Chicago Press, Chicago und London 2009,
284 Seiten, 22 US-Dollar
Gerade in der Globalisierung haben neue Formen der Zugehörigkeit und Beheimatung Konjunktur. Eine davon sind Autochthonie-Bewegungen, in denen sich Menschen auf ihre Bindung an die Heimaterde berufen und von „Zugewanderten“ abgrenzen. Der Ethnologe Peter Geschiere fragt daher, warum Autochthonie-Appelle in ganz verschiedenen Kulturen und politischen Kontexten solche Resonanz finden. An Beispielen aus Afrika und den Niederlanden zeigt er, dass sich dahinter sehr Verschiedenes verbergen kann. In Kamerun hat zu ihrem Aufschwung wesentlich beigetragen, dass Staatschef Biya nach der Zulassung von Oppositionsparteien die Führung seiner eigenen Partei verpflichtete, Wählerstimmen in ihren Regionen und Dörfern zu mobilisieren. Dazu schürten sie lokale Wir-Gefühle. Geschiere betont aber, dass solche Bewegungen nicht nur mit politischer Manipulation erklärt werden können, sondern tief verwurzelte Emotionen mitspielen. So entfalten Begräbnisrituale in kamerunischen Dörfern große Macht gegenüber den Eliten. Rituale, die man in den Niederlanden für Neubürger inszeniert hat, sind dagegen blass und künstlich. Alle Berufungen auf Autochthonie beziehen aber ihre Überzeugungskraft zum Teil daraus, dass jeder zu wissen scheint, wer und was „einheimisch“ ist. Tatsächlich, so betont Geschiere, ist die Abgrenzung aber stets mehrdeutig und eine Quelle endlosen Streits. Das Buch ist sehr anregend, eine dichte Beschreibung der Praxis und Rituale findet man vor allem in den Kapiteln zu Kamerun.
(bl)


