Das größte Entwicklungshindernis
Bewaffnete Gewalt verursacht jährlich Schäden in Milliardenhöhe
Jedes Jahr verlieren mehr als 740.000 Menschen weltweit ihr Leben durch Waffengewalt. Zwei Drittel der Todesfälle ereignen sich außerhalb von Kriegszonen. Die Schweiz will sich in den Vereinten Nationen für eine Verstärkung des Kampfes gegen Gewalt mittels Waffen einsetzen.
Bei Personen zwischen 15 und 44 Jahren ist bewaffnete Gewalt die vierthäufigste Todesursache weltweit. Zu diesem Schluss kommt der Bericht „Die globale Bürde bewaffneter Gewalt“, den das Genfer Hochschulinstitut für internationale Studien und Entwicklung (IHEID) Mitte September anlässlich einer internationalen Ministerkonferenz in Genf veröffentlicht hat. Auf der von der Schweiz und dem UN-Entwicklungsprogramm (UNDP) organisierten Veranstaltung diskutierten Regierungsvertreter aus über 60 Ländern sowie Vertreter nichtstaatlicher Organisationen über die Möglichkeiten, bewaffnete Gewalt einzudämmen. Waffengewalt sei das grösste Hindernis bei der Erreichung der Millenniumsentwicklungsziele, sagte die Schweizer Außenministerin, Micheline Calmy-Rey, zur Eröffnung der Konferenz. Über den Tod und die unmittelbare Zerstörung hinaus verursache sie in den betroffenen Staaten menschliche, soziale und wirtschaftliche Kosten.
Laut dem Bericht belaufen sich die durch Produktionseinbußen verursachten ökonomischen Kosten von Kleinkriminalität, organisiertem Verbrechen und politisch motivierter Gewalt weltweit auf mindestens 95 Milliarden US-Dollar jährlich. Mindestens 200.000 Personen sterben jährlich an indirekten Folgen von Waffengewalt wie Mangelernährung und Krankheiten. Außenministerin Calmy-Rey kündigte an, die Schweiz werde der UN-Generalversammlung bald einen Resolutionsentwurf zu der Frage vorlegen. Ziel der Resolution werde sein, dass die Vereinten Nationen sich stärker gegen Gewalt durch Kleinwaffen einsetzen.
94 Staaten haben bislang die vor zwei Jahren von 42 Staaten verabschiedete „Genfer Erklärung über Waffengewalt und Entwicklung“ unterzeichnet. Darin versprechen die Unterzeichner, alles zu tun, um bewaffnete Gewalt bis 2015 messbar zu reduzieren. Auf Grundlage der im IHEID-Bericht gesammelten Daten wollen sie ein Instrumentarium entwickeln, um die Fortschritte im Kampf gegen bewaffnete Gewalt zu messen.
Ziel der Genfer Erklärung ist nicht zuletzt die Eindämmung des Handels mit Kleinwaffen. Die Schweiz sei enttäuscht, dass es bei der Umsetzung des UN-Aktionsplans gegen den kriminellen Handel mit Kleinwaffen kaum Fortschritte gegeben habe, sagt Botschafter Thomas Greminger, der Chef der Abteilung Menschliche Sicherheit im schweizerischen Außenministerium. Laut dem IHEID-Bericht werden 60 Prozent aller Morde weltweit mit Schusswaffen begangen. An der Spitze liegt Mittelamerika mit 77 Prozent.
Charlotte Walser, InfoSüd
