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Die Apartheid in den Kirchen überwunden

Eine EKD-Delegation besucht Südafrika, Namibia und Äthiopien

Die Evangelische Kirche in Deutschland (EKD) hält an ihren Partnerschaften mit den drei ehemals deutschen Kirchen Südafrikas fest. Eine Delegation unter der Leitung des Ratsvorsitzenden Bischof Wolfgang Huber hat im September die drei „weißen“ ehemaligen Siedler-Kirchen in Südafrika und Namibia besucht und sich davon überzeugt, dass sie die Apartheidära hinter sich gelassen haben. Besorgt zeigte sich die Delegation in Äthiopien über das geplante Gesetz, das dort die Tätigkeit von nichtstaatlichen Organisationen (NGOs) einschränken soll.

Das Themenspektrum der Reise war breit: In Südafrika und Namibia besuchte die Delegation Projekte zur Prävention und Behandlung von Aids, tauschte sich mit Vertretern von Kirchenverbänden über die Herausforderung durch die Pfingstkirchen aus und diskutierte die Position der Kirche zu den Landreformen in beiden Ländern. An der Reise teilgenommen hatten neben Bischof Huber und der Organisatorin, EKD-Afrika-Referentin Ruth Gütter, in wechselnder Besetzung unter anderem Auslandsbischof Martin Schindehütte, Bischöfin Margot Käßmann (Hannover), Präses Nikolaus Schneider (Rheinland/EED) und Prälat Stephan Reimers (GKKE).

„Seit dem Ende der Apartheid vor 15 Jahren hat sich in unseren Partnerkirchen ein großer Wandel vollzogen“, sagte Ruth Gütter nach ihrer Rückkehr von der knapp zweiwöchigen Reise. „Mehrsprachigkeit und Multikulturalität sind dort inzwischen Alltag geworden.“ Die Delegation habe sich davon überzeugen können, dass die tiefen Gräben aus Apartheidzeiten kaum noch existieren und schwarze und weiße Gemeinden immer enger zusammenarbeiten.

Eine Vereinigung der lutherischen Kirchen in Südafrika und Namibia sei allerdings nach wie vor ein eher langfristiges Ziel. Als ersten Schritt in diese Richtung haben die drei lutherischen Kirchen Namibias 2007 immerhin eine gemeinsame Kirchenleitung eingeführt; Südafrikas lutherische Kirchen planen diesen Schritt für April nächsten Jahres. Die EKD unterhält zu dreien dieser Kirchen (Kapkirche, Natal-Transvaal-Kirche und Deutsche Evangelisch-Lutherische Kirche in Namibia) besondere Beziehungen und trägt mit der Entsendung deutscher Pfarrer sowohl zum Fortbestand als auch – wie die EKD hervorhebt – zu „neuen Gedankenanstößen“ in den ehemaligen Siedler-Kirchen bei. Die christliche Initiative „Mainzer Arbeitskreis Südliches Afrika“ (MAKSA) hatte vor Beginn der Delegationsreise in einem Positionspapier mit dem Titel „EKD im Schatten des Kolonialismus“ das Ende der Partnerschaftsverträge und die Rückkehr der deutschen Pfarrer gefordert.

In Äthiopien war vorgesehen, dass Bischof Huber das erste gemeinsame Länderbüro von Brot für die Welt und Evangelischem Entwicklungsdienst (EED) persönlich einweihen würde. Doch angesichts des von der Regierung in Addis Abeba angekündigten Gesetzes zur Regulierung der Arbeit sozial engagierter Hilfsorganisationen wurde die Büroeröffnung auf unbestimmte Zeit verschoben. „Die äthiopische Regierung plant, NGOs zu verbieten, sobald sie nicht mehr ‚rein humanitär‘ tätig sind “, sagte Gütter. Vertreter von Partnerorganisationen vor Ort hätten sich alarmiert gezeigt. Allerdings sei noch offen, in welcher Form das Gesetz im Oktober tatsächlich verabschiedet und welche Folgen es für die praktische Arbeit haben wird. Die EKD, der EED und „Brot für die Welt“ hoffen, dass das neue Büro trotz allem noch vor Ende des Jahres eröffnet werden kann.


Bettina Stang

welt-sichten 10-2008