Entwicklungshilfe: Vertrauen statt Technik
Institute of Development Studies (Brighton, 1.9.08): Die hochrangig besetzte Accra- Konferenz zur Wirksamkeit der Entwicklungshilfe von Anfang September nimmt das IDS zum Anlass, ein neues Diskussionspapier seiner Mitarbeiterin Rosalynd Eyben zu der 2005 verabschiedeten „Paris Declaration on Aid Effectiveness“ vorzustellen. Sie fordert darin ein neues Nachdenken über die Entwicklungshilfe, um sie wirksamer zu gestalten. „Die internationalen Entwicklungsagenturen kommen nicht aus der Tretmühle einer bestimmten Denkweise heraus, die technische Mechanismen bei der Ressourcenverteilung und deren Organisation einseitig betont“, kritisiert Eyben.
Die Geber müssten den Prozessen mehr Aufmerksamkeit schenken, die mit der Schaffung gleichrangiger und auf wechselseitigem Vertrauen beruhender Beziehungen zu ihren Partnern verbunden sind, fordert sie. „Nur auf diese Weise werden sie eher dazu in der Lage sein, die mit den Machtbeziehungen verbundenen Probleme zu verstehen, die wirksame Hilfe verhindern – Probleme also, die neue Mechanismen zur Verteilung von Verantwortlichkeiten an sich nicht lösen werden.“ Insgesamt konzentriere man sich zu sehr auf die Suche nach technischen Lösungen, die zwar notwendig, aber nicht hinreichend seien.
„Wir müssen berücksichtigen, wie Machtverhältnisse sich in der Alltagspraxis zeigen, beispielsweise auch auf einer internationalen Geberkonferenz, das heißt wie die Konferenz konzipiert ist, in welcher Weise Vielfalt gesehen und darauf eingegangen wird oder wie diese Prozesse zur Ausgrenzung im Tagungsraum führen können.“ Die Erfolge der Entwicklungszusammenarbeit können laut Eyben durch Lernen gesteigert werden, das unterschiedliche soziale Realitäten und politische Beziehungen wahrnimmt, in die die internationale Entwicklungshilfe eingebettet ist.
„All das erfordert kritisches Reflektieren, das aber nichts kostet und mit dem man schon morgen anfangen kann.“ Entwicklungshilfe könnte weitaus wirksamer sein, wenn auch Faktoren wie Vertrauen und persönliche Beziehungen berücksichtigt würden – neben den technischen Elementen. Dazu zitiert Rosalynd Eyben eine UN-Vertreterin, für deren Organisation die Aktivitäten am erfolgreichsten waren, die zum Aufbau von Beziehungen beitrugen. Sie fanden jedoch keinen Eingang in die offiziellen Berichte, weil sie nicht zu den Ergebnissen zählen, die mit den vorgegebenen Evaluierungsinstrumente erfasst werden.
