Seite drucken        Seite schlie?en 

 

welt-sichten

welt-sichten bestellen

Suche

welt-sichten. Magazin für Entwicklungspolitik und ökumenische Zusammenarbeit

Login

Login

Newsletter



Newsletter absenden

welt-sichten


Gelungene Gratwanderung

Omid Nouripour
Mein Job, meine Sprache, mein Land
Herder Verlag, Freiburg 2007
191 Seiten, 14,90 Euro


Omid Nouripour bewältigt souverän die in der Integrationsdebatte notwendige Gratwanderung zwischen Weltoffenheit, Respekt und Achtung für andere Kulturen und dem Setzen rechtsstaatlicher Grenzen. Er hat nicht nur ein feines Gespür für Stimmungen und Trends, es gelingen ihm auch treffende, witzige Formulierungen und Beobachtungen, die die Lektüre zeitweise recht amüsant werden lassen. Nach Nouripours Ansicht helfen Grundsatzdebatten, etwa ob gläubige Moslems in die westliche Gesellschaft zu integrieren seien, wenig weiter.

Was zählt, ist der in zähen Verhandlungen erzielte Kompromiss im Alltag, etwa die Erlaubnis des Muezzin-Rufes verbunden mit klaren Einschränkungen, was die Lautstärke und die Nutzung von Lautsprechern angeht. Deutschland steht bei der Integration im Vergleich zu seinen Nachbarn Frankreich und den Niederlanden auch deshalb vergleichsweise gut da, weil pragmatische auf den Einzelfall bezogene Vereinbarungen vor Ort vielfach eine wichtigere Rolle gespielt haben als Grundsatzdebatten über den Multikulturalismus und den laizistischen Staat. Bei dem schwierigen Thema, wie Europa mit den über das Meer zuwandernden Afrikanern umgehen sollte, hätte man Nouripour allerdings mehr Mut zum Aussprechen unbequemer Wahrheiten gewünscht. Die große Mehrzahl der Flüchtlinge sind keine Armutsflüchtlinge im engeren Sinne, die dem Verhungern entfliehen. Es sind Menschen, die Alternativen zu den mangelnden Entwicklungsperspektiven in ihren Ländern suchen.

Das vielfach gepriesene Allheilmittel „Entwicklungshilfe“ wird die Zahl der Bootsflüchtlinge vorübergehend nicht verringern. Wer die vielen Toten auf offener See verhindern will, muss auf eine strikte und intensive polizeiliche Kontrolle der Strände in Afrika setzen. Daneben sollte die Europäische Union die Einwanderung für ausgebildete Afrikaner und die Möglichkeit der Pendelmigration erleichtern. Das schafft Perspektiven und liefert jungen Afrikanern Vorbilder so wie die Karrieren erfolgreicher Migranten in Deutschland, die der grüne Bundestagsabgeordnete Omid Nouripour in seinem Buch zu Recht herausstellt.


Roger Peltzer

welt-sichten 10-2008