Seite drucken        Seite schlie?en 

 

welt-sichten

welt-sichten bestellen

Suche

welt-sichten. Magazin für Entwicklungspolitik und ökumenische Zusammenarbeit

Login

Login

Newsletter



Newsletter absenden

welt-sichten


Gewalt gegen Konvertierte

Die Angriffe auf Christen in Teilen Indiens haben vor allem wirtschaftliche Ursachen

Die Angriffe fundamentalistischer Hindus auf Christen im indischen  Bundesstaat Orissa haben bei Kirchenverbänden und Hilfswerken weltweit Besorgnis ausgelöst. Die Auseinandersetzungen gefährdeten den Religionsfrieden in Indien, erklärte der Generalsekretär des Internationalen Dachverbandes katholischer Hilfswerke (CIDSE), Bernd Nilles, in Brüssel. Vor allem die in Indiens Kastensystem diskriminierten Dalits („Unberührbare“) und Angehörige der indigenen Gruppe der Adivasis wurden Opfer der Brandschatzungen.

Die Übergriffe von Ende August konzentrierten sich auf Orissas Provinz Kandhamal, in dem Christen mittlerweile einen Anteil von 20 Prozent unter den 650.000 Einwohnern haben. Auslöser war der Mord an fünf Hindus, darunter ein Hinduführer, der gegen angeblich vom Ausland bezahlte christliche „Konversionskampagnen“ mobilisiert hatte. Die Polizei hält zwar Angehörige der maoistisch orientierten Rebellengruppe der Naxaliten für die Täter. Doch da diese wie die Christen der Provinz hauptsächlich zu den Dalits und Adivasis zählen, wiesen Anhänger des getöteten Hinduführers die Schuld an dem Attentat der gesamten christlichen Bevölkerung zu.

Bei den Übergriffen wurden Tausende von Häusern angezündet und zerstört. Rund 20 Menschen kamen laut ersten Schätzungen zu Tode, Zehntausende flüchteten sich in die Wälder. Unter anderem wurden auch zwei von Misereor unterstützte Bildungs- und Sozialeinrichtungen   der Diözese Cuttack-Bhubaneshwar geplündert und in Brand gesetzt. Sie hatten dazu beigetragen, dass sich die wirtschaftliche Lage einiger der ehemals „Unberührbaren“ langsam verbessert. Laut Medienberichten zielten manche Angriffe deshalb zunächst auf Läden und Häuser von wirtschaftlich und sozial „aufgestiegenen“ Familien.

Sprecher einiger Dalit-Vereinigungen betonten, dass die gewaltsamen Übergriffe eher sozial als religiös motiviert gewesen seien. „Überall in Indien verlassen die benachteiligten und unterdrückten Bevölkerungsgruppen das Kastensystem. Die Ausgegrenzten wenden sich nicht nur dem Christentum zu, sondern auch dem Islam, dem Buddhismus oder – wie in Orissa – maoistischen und marxistischen Rebellengruppen“, erklärte etwa Joseph D’Souza, ein Bürgerrechtsaktivist der Dalits, der gleichzeitig dem All-Indischen Christenrat (AICC) vorsteht. Der AICC ist ein 1998 gegründeter Verbund von Einzelpersonen aus allen Konfessionen. Er versteht sich in erster Linie als Sprachrohr der benachteiligten Bevölkerungsgruppen in Indien.


Bettina Stang

welt-sichten 10-2008