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welt-sichten. Magazin für Entwicklungspolitik und ökumenische Zusammenarbeit

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Kurz notiert

Ein Drittel des Preisanstiegs bei Grundnahrungsmitteln von bis zu 120 Prozent (bei Weizen) geht unmittelbar auf die Herstellung von Treibstoffen aus Agrarprodukten zurück. Zu diesem Ergebnis kommt eine neue Studie der Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD). OECD-Agrardirektor Stefan Tangermann wies zur Erläuterung der Studie in Berlin das Argument zurück, der Preisanstieg sei vor allem eine Folge ausufernder Spekulation an den Börsen, des hohen Ölpreises und der verstärkten Nachfrage nach hochwertigen Lebensmitteln in den Schwellenländern. Rund ein Viertel der US-Ernte an Futtergetreide werde zu Biosprit verarbeitet, und fast die Hälfte der EU-Produktion an pflanzlichen Ölen gehe bereits in den Tank. Tangermann: „Das treibt die Preise.“

Sowohl Tangermann als auch Entwicklungsministerin Heidemarie Wieczorek-Zeul forderten eine Revision der Förderpolitik für die Produktion und den Einsatz von Agrartreibstoffen in den USA und Europa. Die klimaschützende Wirkung sei viel zu gering und zu teuer verglichen mit anderen Möglichkeiten, etwa der Energieeinsparung. Das Fazit Tangermanns: Die derzeitige Produktion von Agrarkraftstoffen trägt wenig zum Klimaschutz bei, aber sie wird immense Ernährungsprobleme schaffen, wenn sie weiter ausgeweitet wird. Wieczorek Zeul sagte, zukunftsträchtig hierzulande sei allenfalls Biokraftstoff der zweiten Generation aus landwirtschaftlichen Abfällen.

Der neue UN-Berichterstatter für das Recht auf Nahrung, Olivier de Schutter, forderte die Regierungen unterdessen auf, Leitlinien zur Produktion von Biotreibstoffen auszuarbeiten, die auch das Recht auf Nahrung berücksichtigen. Aus Ländern, die das nicht befolgen, dürften keine Biokraftstoffe mehr importiert werden.


(di)

welt-sichten 10-2008