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Nicht nur Kaffee

Eine Initiative will den Anteil fair gehandelter Produkte im öffentlichen Einkauf erhöhen

Fair gehandelte Produkte sollen im öffentlichen Beschaffungswesen Österreichs zur Selbstverständlichkeit werden. Dieses Ziel setzt sich die Initiative SO:FAIR, die am 17. September in der Umweltschutzabteilung der Stadt Wien ein Fachsymposium abgehalten hat.

Vorerst wolle man sich auf Lebensmittel und Textilien konzen­trieren, erklärte Sirit Kostron vom Interuniversitären Forschungszentrum für Technik, Arbeit und Kultur (IFZ). Sie ist eine der Sprecherinnen der Initiative. Die öffentliche Hand gibt in Österreich jährlich rund 35 Milliarden Euro für Güter und Dienstleistungen aus. Immer mehr davon wird in Billiglohnländern eingekauft. Ob dort Kinder ausgebeutet oder Arbeitsgesetze missachtet werden, weiß man meist nicht. Allein die Stadt Wien hat für Waren und Dienstleistungen ein Budget von fünf Milliarden Euro.

Der gute Wille, „fair“ einzukaufen, sei schon da, versichert Eva Persy, die das Büro Ökokauf Wien leitet. Bei biologischen Lebensmitteln seien bereits große Fortschritte erzielt worden. So liege der Bioanteil der Speisen in den Kindergärten der Bundeshauptstadt bei 50 Prozent. Die Spitäler und Altersheime der Stadt Wien kaufen seit einiger Zeit Kaffee, Orangensaft und Bananen aus fairem Handel ein.

Darüber können die einzelnen Einrichtungen laut Eva Persy autonom entscheiden. Das Problem beim zentralen Einkauf fair gehandelter Waren sei ein juristisches: Großaufträge müssten öffentlich ausgeschrieben werden. Aus diesem Grund bietet SO:FAIR Rechtsberatung durch einen Spezialisten an, der erklärt, wie man die richtigen Kriterien in die Ausschreibung integrieren kann, ohne den Wettbewerb einzuschränken.

Peter Defranceschini vom europäischen Netzwerk „Gemeinden für Nachhaltigkeit“ (ICLEI) in Straßburg nennt das Beispiel der niederländischen Provinz Groningen, die einen Prozess gegen einen Kaffeegroßhändler gewonnen hat und das Fairtrade-Label als Bedingung in die Ausschreibung aufnehmen darf. Laut Helena Barracó, in Barcelona zuständig für ethische Beschaffung, fallen die Mehrkosten nicht ins Gewicht. Bei der Arbeitsbekleidung für Angestellte in Parks und Gärten seien die Kosten sogar gesunken. Barcelona nimmt in Europa eine Vorreiterposition bei der fairen Beschaffung ein.

Im Oktober beginnt SO:FAIR mit Schulungen von Einkaufsverantwortlichen in mehreren Bundesländern. SO:FAIR wird von einem Konsortium nichtstaatlicher Initiativen und Organisationen getragen und von der österreichischen Regierung gefördert.


Ralf Leonhard

www.suedwind-agentur.at/beschaffung

welt-sichten 10-2008