Partnerschaften am Kap
Bayern, Niedersachsen und Nordrhein-Westfalen engagieren sich in Südafrika
Südafrika ist das Ankerland deutscher Entwicklungszusammenarbeit auf dem afrikanischen Kontinent. Nicht nur der Bund engagiert sich, sondern auch die Länder Bayern, Niedersachsen und Nordrhein-Westfalen unterhalten Partnerschaften mit den südafrikanischen Provinzen Ostkap, Westkap und Gauteng sowie Mpumalanga. Vor allem Bayern versteht seine Zusammenarbeit als Türöffner für die heimische Wirtschaft.
Die drei Bundesländer setzen unterschiedliche Schwerpunkte. Niedersachsen legt in seiner seit 1994 bestehenden Verbindung mit der Provinz Ostkap wert auf berufliche Bildung und fördert junge Auszubildende für die Autoindustrie sowie die Ausbildung von Hilfspflegekräften für Aids-Kranke. Ein Berufsschullehrer unterstützt die Provinz als „Niedersachsens südlichster Beamter“ beim Aufbau eines Berufsbildungssystems und koordiniert weitere Vorhaben in Ostkap. Die Provinz wurde ausgewählt, weil dort die niedersächsischen Unternehmen Volkswagen und Continental Produktionsstätten haben. Dennoch stehe die Entwicklungszusammenarbeit im Vordergrund, sagt Thomas Carstens vom Kultusministerium in Niedersachsen: „Für eine gezielte Wirtschaftsförderung gibt es keine Anhaltspunkte.“ Die im „Verband Entwicklungspolitik Niedersachsen“ zusammengeschlossenen Eine-Welt-Organisationen sind allerdings nicht in die Partnerschaft eingebunden.
Die Verbindungen Bayerns zu den Provinzen Westkap und Gauteng bestehen seit 1995 und sind bisher vor allem eine Angelegenheit der Staatsregierung. Mit rund 200.000 Euro fördert der Freistaat in diesem Jahr unter anderem ein Seminar, in dem sich bayerische Unternehmer mit südafrikanischen Führungskräften austauschen, die an kommerziellen Anwendungen im Bereich erneuerbare Energien interessiert sind. Außerdem finanziert der Freistaat einen Austausch von Experten für Verkehrspolitik sowie den Aufbau von Kompetenzzentren für die berufliche Bildung an sechs Colleges in den Partnerprovinzen. „Das fördert den Kontakt zwischen südafrikanischen und bayerischen Unternehmen und ermöglicht vielfältige Kooperationen“, betont Bayerns Wirtschaftsministerin Emilia Müller. „Auf diesem Weg ermöglichen wir es unseren südafrikanischen Partnern, mit bayerischen Unternehmen auf Augenhöhe zu kooperieren.“
Ein 2007 in Johannesburg eingerichtetes Wirtschaftsbüro soll bayerischen Unternehmen einen leichteren Zugang zum südafrikanischen Markt verschaffen. Schulpartnerschaften oder kommunale Verbindungen gibt es hingegen noch nicht. Doch das könnte sich bald ändern. 2006 hat die bayerische Staatskanzlei erstmals einen Vertreter des Eine-Welt-Netzwerks Bayern eingeladen, an einer offiziellen Delegationsreise nach Südafrika teilzunehmen. Erste Kontakte zu nichtstaatlichen Organisationen in der Partnerprovinz sind hergestellt, sie sollen jetzt vertieft werden. „Unsere Beziehungen zur Staatskanzlei sind sehr gut“, betont Norbert Stamm vom Eine-Welt-Netzwerk Bayern. „Kontakte zu nichtstaatlichen Organisationen in Südafrika müssen sich erst noch entwickeln.“
Die Partnerschaft zwischen Nordrhein-Westfalen und Mpumalanga (seit 1995) steht bereits auf breiteren Füßen. Sie wurde erst im Februar dieses Jahres für weitere fünf Jahre verlängert und ist dem Integrationsministerium unterstellt. An Rhein und Ruhr versteht man die Kooperation als offiziellen Rahmen für das Engagement der Zivilgesellschaft. Von Sport- und Behindertenverbänden, Pfadfindern und Kirchengemeinden bis zu Eine-Welt-Gruppen, Schulen sowie Universitäten beteiligen sich insgesamt rund 150 Akteure mit unterschiedlichen Schwerpunkten. Sie treffen sich alle sechs Monate im Mpumalanga-Forum mit Vertretern der Landesregierung, um sich auszutauschen und gemeinsame Ziele zu vereinbaren. Die Landeshauptstadt Düsseldorf unterhält seit 2005 eine rege Partnerschaft mit Mbombela, der bevölkerungsreichsten Stadt der Partnerprovinz.
Alle drei Bundesländer engagieren sich in Zusammenarbeit mit der Internationalen Weiterbildung und Entwicklung (Inwent) bei der Vorbereitung der Fußball-Weltmeisterschaft 2010. Trotzdem gibt es zwischen Bayern, Niedersachsen und Nordrhein-Westfalen kaum Absprachen über Ziele und Projekte in Südafrika. „Mehr Austausch zwischen den Kommunen und Ländern wäre auf jeden Fall wünschenswert“, betont Thomas Carstens vom Niedersächsischen Kultusministerium.
Claudia Mende
