PR in Zeiten knapper Kassen
Eine Werbekampagne soll das Ansehen der Entwicklungspolitik fördern
Was tut Österreich gegen den Hunger auf der Welt? Bringt Entwicklungszusammenarbeit überhaupt etwas? Wie ist garantiert, dass Entwicklungsgelder ordnungsgemäß eingesetzt werden? Solche und ähnliche Fragen finden sich auf Klapptäfelchen, unter denen sich die genauso knapp gehaltenen Antworten verbergen. Sie sind Teil einer Werbekampagne des Außenministeriums, die am 16. September von Ministerin Ursula Plassnik gestartet wurde.
Ein Container mit Schautafeln und Informationsmaterial, der zunächst vor der Staatsoper in Wien aufgestellt wurde, wird bis Ende Oktober und dann wieder ab Frühjahr 2009 durch die Bundesländer touren. Vorgestellt werden beispielsweise für Afrika entworfene Solarkocher, die sogar im spätsommerlichen Wien noch Wasser zum Sieden bringen. Es wird anschaulich erläutert, dass manche Menschen mit weniger Wasser auskommen müssen, als wir an einem Vormittag durch die Klospülung jagen. Markus Spitzer, ein Student der Politologie und Internationalen Entwicklung, der mit einem Team von weiteren sieben Studierenden angeheuert wurde, um die Wanderausstellung zu betreuen, erklärt geduldig, dass sich die Entwicklungszusammenarbeit im Laufe der letzten Jahrzehnte verändert habe. Sie sei partnerschaftlicher geworden und diene nicht in erster Linie den Interessen der heimischen Industrie. Spitzer erhofft sich von der Ausstellung, dass sie in der Bevölkerung die Akzeptanz für entwicklungspolitische Ausgaben erhöht.
Österreich nähert sich dem für 2010 angepeilten Plansoll von 0,51 Prozent des Bruttinlandsprodukts derzeit vor allem dank Schuldenerlassen. Bis 2009 werden aber alle nennenswerten Außenstände abgeschrieben sein. Dann müsste frisches Geld bereitgestellt werden. Kein populäres Anliegen in Zeiten steigender Lebensmittelpreise und allgemeiner Teuerung. Im Wahlkampf für die Nationalratswahlen vom 28. September machte das außer den Grünen keine Partei zum Thema. Laut Quellen im Außenministerium gibt es auch keine Anzeichen dafür, dass der Finanzminister diese Gelder lockermachen will.
Die Ausstellung wird ergänzt durch zahlreiche Unterrichtsmaterialien und Workshops an den Schulen, die von der entwicklungspolitischen Medien- und Bildungsstelle Baobab und der Südwind-Agentur konzipiert wurden. Vergleichsweise bescheidene 150.000 Euro kostet die Werbeaktion, sagt Heidi Frank, die Leiterin der Öffentlichkeitsarbeit in der Austrian Development Agency (ADA). Die Materialien sollen auch nach der Kampagne weiter genutzt werden.
Ruth Picker, die Geschäftsführerin des NGO-Dachverbandes „AG Globale Verantwortung“, freut sich zwar über die Werbung für die gemeinsamen Anliegen. Die PR-Kampagne der ADA dürfe aber nicht zu Lasten der Finanzierung der entwicklungspolitischen Bildungs- und Bewusstseinsarbeit von NGOs gehen. Im Gegenteil: Diese müsse verstärkt werden, „so wie es die externen Evaluatoren der ADA explizit gefordert haben“.
Ralf Leonhard
