Schädliche Klimapolitik der Weltbank
Down To Earth (Neu Delhi, 15.9.08): In einem Interview mit dem indischen Umweltmagazin fordert der ehemalige Weltbank-Mitarbeiter Robert Goodland von seinem früheren Arbeitgeber eine radikale Abkehr von der bisherigen Entwicklungs- und Klimapolitik. Die Weltbank finanziere weiterhin im großen Stil Kohlekraftwerke, die Viehzucht und die Abholzung von Wäldern. Er könne deshalb nicht erkennen, dass sie dazu beitrage, den Klimawandel zu bremsen, so Goodland. 2003 habe die Bank ihr seit vielen Jahren bestehendes Moratorium für die Finanzierung von Kohlekraftwerken aufgehoben. Inzwischen fördere sie mehrere größere Kraftwerke in China und eine 4000-Megawatt-Anlage des Tata- Konzerns in Indien.
Kritik äußerte Goodland auch an der Weltbank-Förderpolitik im Verkehrsbereich, auf den 25 Prozent der globalen Treibhausgasemissionen entfallen: „70 Prozent der Finanzmittel dieses Sektors entfallen auf den Autobahnbau gegenüber 7 Prozent für die Eisenbahn – eigentlich sollte es umgekehrt sein.“ Zudem habe die Weltbank-Gruppe in Südostasien die Ausweitung von Palmölplantagen finanziert, obwohl das die Abholzung des Regenwaldes beschleunigt. Als weitere Beispiele für die klimaschädliche Förderpolitik nannte Goodland die Vorhaben zum Ausbau der Produktion von Agrartreibstoffen. So finanziere die Weltbanktochter International Finance Corporation im Amazonasgebiet zwei riesige Sojaanbau-Projekte, „obwohl sie von dem eigenen Ombudsman einen strengen Verweis erhalten hat. Das meiste der Sojaernte wird zu Agrardiesel verarbeitet.“
Im März 2008, so Goodland, sei zudem das im Amazonasgebiet geplante Zucker-Äthanol-Projekt Usima Sao Joao beschlossen worden. Damit habe die Weltbank-Gruppe der Abholzung des Regenwaldes zu Gunsten der Äthanol-Produktion Legitimität verschafft. Dies habe den Agrobusiness-Konzern Bunge zur Errichtung von drei großen Destillationsanlagen im Amazonasbecken mit einem Investitionsvolumen von 639 Millionen US-Dollar bewogen.
Karl Otterbein
