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Jatropha für die Armen?

Wie man in Afrika am besten die Bioenergie ausbauen soll, ist umstritten

Mit der Gewinnung von Energie aus Biomasse verbinden sich auch für Afrika große Hoffnungen. Die Einschätzung der Möglichkeiten und Gefahren hängt jedoch stark davon ab, ob man eher Exportchancen ins Auge fasst oder den Energiebedarf in Afrika – und welcher Bevölkerungsgruppen dort.

Die unterschiedlichen Vorstellungen wurden im September auf einer Tagung deutlich, die das Forum Umwelt und Entwicklung und der Verband entwicklungspolitischer NRO in Bonn ausgerichtet haben: Referenten aus Afrika setzten vor allem auf die Nutzung pflanzlicher Öle, insbesondere aus der Jatrophanuss, zur Stromerzeugung. Anderen Konferenzteilnehmern ging es in erster Linie darum, die ökologischen und ökonomischen Probleme möglichst zu begrenzen, die beim großflächigen Anbau von Energiepflanzen in Monokulturen, auch für den Export, zu erwarten sind. Eine dritte Fraktion drängte darauf, sich in der Entwicklungszusammenarbeit auf die effiziente Nutzung von Holz und Holzkohle zu konzentrieren. Dies seien die wichtigsten Energieträger für die Armen. Moderne Öfen und eine Legalisierung und Regulierung der in vielen Ländern verbotenen oder nur geduldeten Köhlerei wurden hier als wichtigste Ansatzpunkte genannt.

Amanda Luxande von „Partnerschaft für Erneuerbare Energien und Energieeffizienz“ (REEEP) in Johannesburg berichtet: „Im südlichen Afrika sind bis heute 80 Prozent der Bevölkerung auf Holz und Holzkohle zum Kochen angewiesen.“ Auf dem Lande liege dieser Anteil deutlich höher. Luxande betont überdies, dass ein rascher Ausbau erneuerbarer Energien und der Stromnetze in Afrika die besten Chancen habe, wenn die Menschen Einkommen mit der Einspeisung von Energie ins Netz erzielen oder Energie in einer Form produzieren und beziehen könnten, die eine gewerbliche Nutzung zuließe.

Dagegen macht sich Ewah Eleri, der Direktor des Internationalen Zentrums für Energie, Umwelt und Entwicklung (ICEED) in Nigeria, dafür stark, den Anbau von Energiepflanzen – insbesondere Jatropha – rasch auszuweiten und Holzkohle im Haushalt durch diese moderne Bioenergie zu ersetzen. Das Öl der Pflanze eigne sich außerdem für die Verstromung sowohl zur Netzeinspeisung als auch im Inselbetrieb. Die Verkohlung von Holz sei mittlerweile die Hauptursache der Entwaldung im Umkreis afrikanischer Städte, betonte Eleri. Und im subsaharischen Afrika stürben jährlich immer noch fast eine halbe Million Menschen – vor allem Frauen und Mädchen – an den Gesundheitsschäden in Folge offener Herdfeuer in zu wenig gelüfteten Räumen.Der kommerzielle Anbau von Jatropha ist in Afrika noch in der Erprobungsphase, aber 2008 waren schon 120.000 Hektar angepflanzt, berichtet Andrew Scott von Practical Action, einer auf angepasste Technologien spezialisierten britischen NGO. Bis 2025 rechnet er mit 2 Millionen Hektar Jatropha – diese Fläche entspricht etwa der Größe von Rheinland-Pfalz –, und zwar nicht nur für die heimische Nutzung. Mit einem Mythos über Jatropha räumt Scott auf: Zwar ist die Pflanze ziemlich anspruchslos, aber wenn sie für den Export angebaut und ein hoher Ertrag angestrebt wird, muss sie gedüngt und bewässert werden wie jede andere Feldfrucht auch.

Das Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (BMZ) arbeitet denn auch an einem Kriterienkatalog für die nachhaltige und sozial verträgliche Exportproduktion von Energiepflanzen. Darauf wies Barbara Richard hin, die als Beraterin für den Energiesektor im subsaharischen Afrika im BMZ tätig ist. Sollte der Anbau für den Export tatsächlich exponentiell wachsen, sind solche Kriterien dringend nötig.


Uwe Kerkow

 

Studie: Jatropha-Anbau schadet Mosambik
„Nicht alle Biotreibstoffe sind schlecht.“ Das findet zumindest das Schweizer Unternehmen Green Bio Fuel. Ein Beispiel dafür sei das Jatropha-Öl, das nicht mit der Nahrungsmittelproduktion konkurriere, da die Pflanze auf ungenutzten, kargen Böden wachse und ihre Früchte giftig seien. Green Bio Fuel will Jatrophanüsse aus Mosambik importieren und daraus Biodiesel herstellen. Laut der Firma nutzt das auch der lokalen Wirtschaft.

„Alles falsch“, sagen dagegen einige Schweizer Hilfswerke, die vor Kurzem eine Studie zu den Folgen des Jatropha-Anbaus in Mosambik vorgelegt haben. Demnach wird die Pflanze dort fast nur auf bewässerten landwirtschaftlichen Nutzflächen angebaut. Weil die Pflanze anfällig für Krankheiten und Schädlinge ist, muss zudem viel Dünger und Pestizid eingesetzt werden.

Jatropha verdrängt zunehmend den Anbau von Nahrungspflanzen, schreiben die Autoren. Dies sei mit großen Risiken verbunden, denn die Mehrheit der Bevölkerung Mosambiks lebe von den eigenen landwirtschaftlichen Produkten. Stellten die Bauern auf die Herstellung von Exportpflanzen um, seien sie unmittelbar den Preisschwankungen auf den internationalen Märkten ausgeliefert.

Laut der Studie führt der Jatropha-Anbau in Mosambik auch zu Verletzungen von Landrechten. Große Flächen Gemeinschaftsland seien unter fragwürdigen Umständen für die Jatropha-Produktion reserviert worden. „Bereits heute ist klar, dass Jatropha Mosambiks nachhaltige Entwicklung nicht fördert“, lautet das Fazit der Studie. Die Hilfswerke empfehlen deshalb ein Moratorium für den Anbau der Pflanze in Mosambik.

Gleichzeitig unterstützen sie die Forderung nach einem Moratorium für die Einfuhr von Agrotreibstoffen und Rohstoffen zu deren Herstellung in die Schweiz, über das die große Kammer des Schweizer Parlaments demnächst berät. Green Bio Fuel kritisiert die Moratoriums-Pläne und spricht von „Verhinderungspolitik“. Das Unternehmen will noch dieses Jahr eine Anlage zur Herstellung von über 100.000 Tonnen Biodiesel pro Jahr in Betrieb nehmen.

Charlotte Walser, InfoSüd