Kampf gegen Armut und Ungerechtigkeit
Morten Bøås and Kevin C. Dunn (Eds.)
African Guerillas.
Raging Against the Machine
Lynne Rienner Publishers, London 2007,
275 Seiten, 23,50 US-Dollar
Seit Mitte der 1980er Jahre haben sich immer wieder bewaffnete Bewegungen in Afrika gegen Regierungen erhoben und damit Kriege ausgelöst. Fast jeder Staat auf dem Kontinent sah sich seitdem mit Aufständischen konfrontiert oder kämpft noch heute gegen sie. In elf Kapiteln befassen sich die Politikwissenschaftler Morten Bøås und Kevin C. Dunn sowie weitere Wissenschaftler mit den Motiven und der Organisation von Rebellenbewegungen und mit Erklärungen dafür. Sie werfen damit einen differenzierten Blick auf die Hintergründe von einigen der brutalsten Bürgerkriege auf dem Kontinent. Der Verweis auf Guerillas im Titel des Buches ist bewusst gewählt. Laut Bøås und Dunn könnten die Ziele von klassischen Guerilla-Bewegungen wie in Kuba oder China zwar nicht mit denen der Revolutionary United Front in Sierra Leone oder der Lord’s Resistance Army in Uganda verglichen werden. Aber dennoch sei auch in Afrika die Auflehnung gegen Ungerechtigkeit oder Vernachlässigung ein Grund für vorwiegend junge Menschen, bewaffneten Gruppen beizutreten, die sich oft als soziale Bewegungen darstellten. Bøås und Dunn kritisieren die verbreitete Ansicht, die bewaffneten Auseinandersetzungen in afrikanischen Staaten seien lediglich „Kriege der Gier“, etwa Kämpfe um Rohstoffe, Edelmetalle und andere Ressourcen. Der Kampf afrikanischer Rebellen sei trotz aller Grausamkeiten nicht als irrationaler Gewaltausbruch abzutun. Es handele sich um eine Reaktion auf die hoffnungslose Situation, in der sich die Menschen befänden. Perspektivlosigkeit führe zu Angst vor der Zukunft, zu Wut und schließlich zu der Bereitschaft, die Waffe zu erheben. Zwar mag auch diese Erklärung nicht erschöpfend sein, sie überzeugt aber weit mehr als die knappen Verweise auf Kriege um Bodenschätze.
Der Ausblick des Afrikaforschers Christopher Clapham ist düster. In der Region der Großen Seen, am Horn von Afrika und in Staaten wie Nigeria und der Elfenbeinküste seien die Aussichten schlecht, die Konflikte zu lösen und Rebellen in die Gesellschaft zu integrieren. Die meisten Staaten seien zu schwach, manche hätten zudem ein Interesse am Fortbestehen der Gruppen. Dass viele von diesen in sich labil seien, erschwere Verhandlungen und lasse eine Zunahme der Gewalt befürchten.
Felix Ehring
