Von Indien lernen
ambazuka News, 30.7.09 (Oxford/Kapstadt): Angesichts niedriger Rohstoffpreise und einer weltweiten Rezession stellten die Aktivitäten chinesischer Unternehmen für viele afrikanische Länder zunächst eine wirtschaftliche Alternative zu westlichen Investitionen dar. Inzwischen scheint China jedoch aus dem von ihm recht aggressiv begonnenen „neuen Wettlauf um Afrika“ auszusteigen. So hat sich die Volksrepublik unter anderem aus einem von dem rohstoffreichen Guinea geplanten milliardenschweren Staudammprojekt zurückgezogen. China investiere nur, wenn es seinen politischen, wirtschaftlichen oder strategischen Interessen dient, meint der Direktor des Zentrums für Afrikastudien an der Universität Mumbai, Remu Modi. Afrika müsse deshalb seinen Handel und die Investitionen auf eine breitere Basis stellen.
Als neuer Kooperationspartner biete sich Indien an, fasst Modi die Ergebnisse des Ende März in Neu-Delhi von nichtstaatlichen Organisationen und Wirtschaftsverbänden veranstalteten „Conclave on India Africa Project Partnership“ zusammen. Indien leide zwar ebenfalls unter der Weltwirtschaftskrise, sei jedoch weniger als China auf den Export angewiesen und deshalb in der Lage, in Afrika zu investieren. Das Land werde in den kommenden fünf Jahren voraussichtlich seinen Handel mit afrikanischen Staaten verdreifachen und einen Umfang von 100 Milliarden US-Dollar erreichen.
Indien werde aus mehreren Gründen als Wunschpartner des afrikanischen Kontinents angesehen. Beide hätten eine gemeinsame Geschichte von Kolonialisierung und Ausbeutung und stünden vor ähnlichen Entwicklungsproblemen. Ferner verfüge Indien über einen hervorragenden Markt mit funktionierenden Institutionen, einen dynamischen Privatsektor und ein riesiges Absatzpotential. Indien könne seine Erfahrungen bei der Verbesserung der Ernährungssicherheit mit Afrika teilen, erklärt Modi. „Afrikas Agrarsektor hat das Potential, den Bauern durch eine auf der Weiterverarbeitung von Lebensmitteln beruhenden Wertschöpfung zu höheren Erträgen zu verhelfen.“ Insbesondere die für die Bewässerungslandwirtschaft entwickelten Geräte, die bereits im Senegal und in Mali eingesetzt werden, seien für afrikanische Kleinbetriebe geeignet.
Karl Otterbein
