Der Hunger wächst auch auf dem Land
Langfristig aber könnten die höheren Preise vielen Kleinbauern helfen
Vom Preisanstieg bei Lebensmitteln profitieren Kleinbauern in den Entwicklungsländern bisher kaum. In vielen Ländern hat die Landbevölkerung weniger zu essen als früher. Eine Studie von Germanwatch und „Brot für die Welt“ über die Situation in der Sahelzone zeigt aber auch, dass als Folge der hohen Priese die Nahrungsmittelproduktion steigt.
„Der Preisanstieg für Nahrungsmittel wirkt auf die einfachen Leute wie ein Erdbeben – ähnlich dem, das sie bereits 1994 erlebt haben, als der westafrikanische Franc drastisch abgewertet wurde.“ So fasst Michael Yanogo aus Burkina Faso die Folgen der drastisch gestiegenen Lebensmittelpreise für sein Land zusammen. Yanogo ist Leiter der burkinischen Dépendance des Albert-Schweitzer-Zentrums für ökologischen Landbau (CEAS), und wenn er von den „einfachen Leuten“ spricht, dann meint er die Armen sowohl in den Städten als auch auf dem Land. Beide leiden unter einem Preisanstieg für Nahrungsmittel und andere lebenswichtige Produkte um durchschnittlich 70 Prozent seit 2006.
Die Bauern in Burkina Faso, sagt Yanogo, können, wenn überhaupt, nur einen kleinen Teil ihrer Ernte zu den gestiegenen Preisen verkaufen. In den Trockenzeiten müssen sie sogar noch Lebensmittel dazukaufen, weil die Erträge aus den vorherigen Ernten in der Regel nicht reichen. Außerdem seien auch die Preise für Produktionsmittel gestiegen – vor allem für Dünger. Wenn also Familien überhaupt etwas dazuverdient haben, dann wurde das vom Dünger-Einkauf gleich wieder zunichte gemacht, berichtet Yanogo.
Der Leiter des Albert-Schweitzer-Zentrums in Ouagadougou ist auf Einladung von „Brot für die Welt“ nach Deutschland gekommen und berichtete in Hannover im Rahmen der Tagung „Ist Essen bald Luxus?“ Die evangelische Hilfsorganisation präsentierte dort gemeinsam mit Yanogo die Ergebnisse einer gemeinsam mit Germanwatch erstellten Studie über die Reaktionen auf den Preisanstieg bei Weizen, Reis und Hirse in Mali und Burkina Faso.
Die Studie zeigt, dass der Preisanstieg durchaus auch erfreuliche Folgen hat. So satteln Baumwoll-Bauern der Region zunehmend auf lokale Produkte um – zum Beispiel auf Reisanbau, der laut der Studie in diesem und dem vergangenen Jahr enorm zugenommen hat. Dieser Trend kann als wichtiger Schritt gegen die Nahrungsmittelknappheit in der Region gewertet werden. Yanogo hofft ebenso wie die anderen Referenten, dass nun auf nationaler wie internationaler Ebene die Voraussetzungen geschaffen werden, um die Kleinbauern langfristig zu stärken.
„Endlich lohnen sich Investitionen in den ländlichen Raum wieder“, fasste Christine Chemnitz von der Heinrich-Böll-Stiftung die positiven Tendenzen zusammen. Allerdings müsse genau überlegt werden, wohin die Investitionen fließen. Die Subventionierung von Kunstdünger, die etwa die Regierung Kenias als Maßnahme gegen den Preisanstieg eingeführt hat, zähle jedenfalls nicht zu den „nachhaltigen“ Lösungen.
Besser seien Maßnahmen, wie sie auch das CEAS in Burkina Faso von der Regierung fordert: Beratungsbüros für Bauern müssten eingerichtet, Getreidebanken ausgebaut und lokal angepasstes Saatgut weiterentwickelt werden. Laut Michael Yanogo ist Kunstdünger unter Burkina Fasos Bauern ohnehin kaum noch angesagt – er sei einfach zu teuer geworden. Sein Ausblick: „Die Bauern stehen dem ökologischen Landbau jetzt viel offener gegenüber.“
Bettina Stang
