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In Afrika und Europa gleichermaßen zuhause

Missio fordert anderen Umgang mit Flüchtlingen und Arbeitsmigranten

Das katholische Missionswerk Missio hat während des diesjährigen „Monats der Weltmission“ den Blick auf die schwierige Situation der Flüchtlinge in Afrika gerichtet. Mit der Tagung „Beyond Migration“ zum Auftakt der Kampagne hat sich das Werk außerdem in die politische Diskussion eingemischt. Kirchenvertreter und geladene Experten waren sich einig, dass in der Migrationspolitik der reichen Länder ein bevölkerungs- und entwicklungspolitischer Kurswechsel dringend geboten sei. Die Tore für Arbeitsmigranten müssten weiter geöffnet werden als bisher.

Es sei „unbefriedigend“, dass Deutschland der Problematik der ökonomisch bedingten Migration allein mit dem Mittel des politischen Asyls begegnen wolle, sagte der Vorsitzende der Migrationskommission der Deutschen Bischofskonferenz, Josef Voß, auf der Tagung im Oktober in Berlin. Wenn es um die künftige Regulierung von Migration gehe, werde die Kirche „ihre Stimme erheben“, versicherte der Bischof – unter anderem mit Blick auf den im Dezember zum Beschluss anstehenden „Zuwanderungspakt“ der Europäischen Union.

Die Mehrzahl der Referenten war sich darin einig, dass die demographische Entwicklung in Deutschland und Europa einen baldigen Kurswechsel bei der Aufnahme von Arbeitsmigranten unabdingbar machen werde. Mit der Verabschiedung des deutschen Zuwanderungsgesetzes im Jahr 2005 sei dieser allerdings nur sehr zaghaft eingeleitet worden, kritisierte der Direktor des Arnold-Bergstresser-Instituts Dieter Oberndörfer.

Aus der Heimat ins Zielland und wieder zurück

Er und zahlreiche weitere Referenten richteten dabei das Augenmerk auf das Instrument der „zirkulären Migration“, das in der Politikberatung zur Zeit weit oben auf der Agenda steht: Dabei können Migranten nach Belieben in ihre Heimatländer zurückkehren, ohne dadurch – wie bisher üblich – ihr Aufenthaltsrecht in der neuen Heimat zu verlieren. Mit diesem Konzept, erklärte Andreas Halbach von der Internationalen Migrationsorganisation IOM, könne die Unterstützung der Herkunftsländer, die Migranten ­bereits mit ihren Geldtransfers leisten, weiter ausgebaut werden. Johan Ketelers von der Internationalen Katholischen Migrationskommission forderte die Einrichtung eines globalen Steuerungsgremiums für Migration, das bisher am mangelnden politischen Willen der Staatengemeinschaft gescheitert sei.

Ergänzend zu den Analysen der Experten gaben Bischöfe aus dem Sudan, Tansania und Mauretanien einen Einblick in die Flüchtlingssituation in ihren Heimatländern. Im Anschluss an die Tagung machten sie sich dann auf den Weg in die Diözesen, um in Schulen und Kirchengemeinden davon zu berichten, dass die Mehrzahl der Flüchtlinge aus Afrika nicht etwa in Europa oder anderen reichen Industriestaaten ankommt, sondern in Flüchtlingslagern auf dem Kontinent einer unsicheren Zukunft entgegensieht.


Bettina Stang

welt-sichten 11-2008