Radionovelas und Reporter im Untergrund
Wie Zeitungen, Rundfunk und das Internet im Süden Integration und politische Entwicklung fördern
Radionovelas in Lateinamerika fördern die Integration von Migranten, Exilbirmesen bekämpfen per Rundfunk die Diktatur in ihrem Heimatland, die Medien in Südafrika haben in ihrer Mehrzahl zur Eindämmung der Gewalt gegen Zugewanderte beigetragen: Um Migration, Minderheiten und Medien ging es Ende September auf einem Symposium in der Evangelischen Akademie in Bonn, veranstaltet vom Forum Medien und Entwicklung.
In Südafrika habe die Presse schneller als die Politik die fremdenfeindliche Gewalt verurteilt und aus verschiedenen Perspektiven berichtet. So resümierte William Bird, der Direktor des Johannesburger „Media Monitoring Project“(MMP), die Ergebnisse einer Inhaltsanalyse von 9000 Zeitungsartikeln über die Attacken gegen Migranten aus Simbabwe und anderen Nachbarstaaten Südafrikas. Beispielsweise reagierten Zeitungen wie „The Sowetan“ oder „The Star“ mit eindrücklichen Bildern und Berichten über die Gewalt und mit Spendenaufrufen für die Opfer auf die fremdenfeindlichen Ausschreitungen. Nur die „Daily Sun“, die meistverkaufte Tageszeitung im Land, habe alle Nicht-Südafrikaner als „Kriminelle“ und „Aliens“ dargestellt – etwa mit der Schlagzeile „The Alien Terror!“ Das MMP, das für seine Medienkritik das Gespräch mit den Chefredaktionen sucht, stieß bei der „Daily Sun“ auf taube Ohren und reichte beim südafrikanischen Presserat Beschwerde ein.
Fakir Hassan vom öffentlichen Rundfunksender SABC erklärte, die für die elektronischen Medien zuständige Beschwerdekommission ahnde Diskriminierung sowohl aufgrund ethnischer Zugehörigkeit als auch aufgrund von Alter, Geschlecht, Religion oder Sprache. Ein südafrikanischer Radiomoderator, der Schwarze als „Kaffer“ verunglimpft habe, sei beispielsweise zum Antidiskriminierungstraining der Human Rights Commission geschickt worden – mit der Auflage, das Erlernte an Kollegen zu vermitteln. Die Sanktionen der Kommission reichten bis zum Entzug der Sendelizenz. SABC sende Nachrichten und Politik in elf Sprachen, um, so Hassan, die nationale Identität der Regenbogen-Nation zu fördern.
Integration wird auch in Lateinamerika immer wichtiger, wo die Zahl der innerkontinentalen Migranten und Migrantinnen auf über 25 Millionen gestiegen ist. Das Kommunikationszentrum „Voces Nuestras“ in Costa Rica hat im vergangenen Jahr mit finanzieller Hilfe aus Europa ein Mammutprojekt durchgeführt: Die dort produzierte halbstündige Radionovela „Pueblo de Paso“ lief in 184 Lokalradios des kontinentweiten Bildungsradioverbundes ALER und war in fünf lateinamerikanischen Ländern zu hören. Die Produktion erzählt von multinationalen Familien im imaginären „Einwanderungsdorf“, ihren Träumen von einem besseren Leben, ihren Gründen, die Heimat zu verlassen oder zu bleiben. Projektleiterin Seidy Salas Viques berichtete, dass die Seifenoper besonders für junge Menschen attraktiv gewesen sei und in Verbindung mit sozialen Aktionen einiges bewirkt habe. So sei in Nicaragua erst durch „Pueblo de Paso“ der Dialog über Migration in Gang gesetzt worden. Derzeit produziert „Voces Nuestras“ zehn neue Geschichten – über Kindermigration, die Rechte der Frauen und zum Thema Geldüberweisungen in die Heimat.
Über die Lage in Birma berichtete Khin Maung Win, der seine Heimat nach dem Militärputsch vor 20 Jahren verlassen musste. Er ist stellvertretender Chefredakteur der „Democratic Voice of Burma“ (DVB), einer Rundfunkstation, die seit 16 Jahren von neun Ländern unterstützt wird und aus Norwegen sendet. Die Bilder der Protestdemonstrationen im September 2007 oder der Zyklonkatastrophe vom Mai dieses Jahres haben etwa 60 Untergrundreporter in Birma per Fotohandy oder Videokamera aufgenommen und an DVB geschickt, der sie wiederum an internationale Nachrichtenagenturen und Sender wie CNN weiterleitete. „Wir wollen die Welt informieren und die öffentliche Meinungsbildung in Birma unterstützen“, sagt Win. Dafür riskieren seine Kollegen und Kolleginnen im Untergrund ihr Leben.
Bärbel Röben
