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Selbstbestätigung

Umfragen zur Wertschätzung der Entwicklungspolitik sind mit Vorsicht zu genießen

Was die Deutschen von der Entwicklungshilfe halten, wollte der Verband entwicklungspolitischer Nichtregierungsorganisationen (Venro) wissen und ließ dazu im Oktober eine repräsentative Meinungsumfrage durchführen. Das Ergebnis ist nicht sehr aufschlussreich.

Das von Venro beauftragte Meinungsforschungsinstitut fragte unter anderem, wie wichtig es sei, dass die Bundesregierung die Ausgaben für Entwicklungshilfe steigert. 71,4 Prozent der Befragten gaben an, das sei ihnen „wichtig" bis „äußerst wichtig". Gut 75 Prozent sagten, sie würden bei ihrer Wahlentscheidung auf das entwicklungspolitische Profil einer Partei achten. Venro schließt daraus, die Entwicklungspolitik stehe bei der Mehrheit der Deutschen „überraschend hoch im Kurs".

Überraschend? Alle Jahre wieder kommen derartige Umfragen zum Stellenwert der Entwicklungspolitik zum selben Ergebnis. Erst im vergangenen Jahr stellte die Hilfsorganisation Oxfam den Bürgern fast dieselbe Frage: Wie wichtig es ihnen sei, dass die Bundesregierung wie versprochen die Entwicklungshilfe bis 2015 verdoppele. Damals waren 72 Prozent dafür. Auch die regelmäßigen Eurobarometer-Befragungen der EU-Kommission haben wiederholt große Zustimmung zur Frage ermittelt, ob Entwicklungspolitik notwendig sei und mehr Geld dafür ausgegeben werden solle.

Alle diese Umfragen sind aber wenig aussagekräftig. Dass es gut ist, etwas gegen Hunger und Armut zu tun, leuchtet sofort ein. Warum also sollte sich jemand gegen mehr Entwicklungshilfe aussprechen? Aufschlussreicher sind Erhebungen, die das Dortmunder Institut für Schulentwicklungsforschung seit den 1990er Jahren durchgeführt hat, die letzte 2004. Es fragte nicht nur nach einem einzigen Politikfeld, sondern legte den Befragten eine Liste mit mehreren vor und wollte wissen, für welche sie mehr Geld ausgeben würden. Ergebnis: Nur sechs Prozent nannten die Entwicklungshilfe. Lediglich die Bereiche Kultur, Busse und Bahnen sowie Bundeswehr schnitten noch schlechter ab. Viel wichtiger waren der Mehrheit Ausgaben für Arbeitsplätze, die soziale Sicherung, Gesundheit und Bildung.

Die Venro-Umfrage gibt keinen Aufschluss darüber, welchen Stellenwert die Bundesbürger der Entwicklungspolitik im Vergleich zu anderen Themen einräumen. Sie dient letztlich nur der Bestätigung dessen, was der Verband selbst für richtig hält.


(ell)

welt-sichten 11-2008