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Weltverantwortung und Option für die Armen

Kirchlicher Entwicklungsdienst kämpft seit 40 Jahren gegen Hunger und Armut

Der Kirchliche Entwicklungsdienst (KED) hat Mitte Oktober sein 40-jähriges Bestehen gefeiert. Der Ratsvorsitzende der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD), der Berliner Bischof Wolfgang Huber, würdigte in seiner Festrede den Einsatz für Frieden und Gerechtigkeit weltweit als „unverzichtbaren Teil kirchlicher Arbeit“. Die Fusion von „Brot für die Welt“ und dem Evangelischen Entwicklungsdienst (EED) ist unterdessen endgültig beschlossen.

Die „Option für die Armen“ sei ein Grundanliegen der Kirchen, erklärte der Berliner Bischof. Der KED trage „impulsgebend“ zur gesellschaftlichen Debatte um die Globalisierung, die Bekämpfung der Armut und den Klimawandel bei. Auch künftig solle er den „Mut zum konstruktiven Streit“ bewahren und sich nicht scheuen, etwa bei den Folgen der gegenwärtigen Finanzkrise Position zu beziehen, sagte Huber.

Huber hob ferner die Bedeutung der Lobbyarbeit für die Armen gegen herrschende Macht- und Meinungsverhältnisse hervor. So habe sich etwa die Aids-Initiative Treatment Action Campaign in Südafrika erfolgreich für bezahlbare Aids-Medikamente eingesetzt. Als eine der vordringlichen Aufgaben, denen sich die Kirchen widmen müssten, nannte der Berliner Bischof den Klimawandel. Es gehe um Antworten auf grundlegende politische und theologische Fragen, wie sich das Leben verändern müsse, um die Erderwärmung auf ein erträgliches Maß zu begrenzen und die Lasten gerecht zu verteilen.

Zugleich müsse die weltweite Ökumene, die sich in einer anhaltenden Krise befinde, gestärkt werden, so Huber. Dem stimmte Rogate Mshana vom Ökumenischen Rat der Kirchen zu: Die Verwirklichung sozialer und ökologischer Gerechtigkeit könne nur gemeinsam gelingen. Er rief die Kirchen des Nordens dazu auf, die Gier in ihren Gesellschaften stärker zu bekämpfen. Sie sei die Ursache für die gegenwärtige Umwelt-, Ernährungs- und Finanzkrise.

Der KED entstand, nachdem die EKD-Synode 1968 alle Landeskirchen aufgerufen hatte, mindestens zwei Prozent ihrer Haushaltsmittel für den Kampf gegen Armut und Hunger zur Verfügung zu stellen. Diese Marke, so Huber, habe sich allerdings als „kühn“ erwiesen. Kaum eine Landeskirche hielt die Selbstverpflichtung in dieser Höhe ein. Die EKD-Synode Anfang November in Bremen hat deshalb eine verbindliche Umlage für den KED aus den Einnahmen der Landeskirchen beschlossen. Die Landeskirchen sollen die Umlage erstmals 2010 abführen, bis 2013 soll sie dann stufenweise auf 1,5 Prozent der Kirchensteuereinnahmen steigen.

Ebenfalls 2013 werden sich der EED, der die KED-Mittel derzeit verwaltet, sowie „Brot für die Welt“ und die Diakonie Katastrophenhilfe, die zum Diakonischen Werk der EKD gehören, zu einem neuen Werk mit Sitz in Berlin zusammenschließen. Die Mitgliederversammlung des EED und die Diakonische Konferenz haben bei ihren Sitzungen im Oktober den Weg für die Fusion freigemacht.


Gesine Wolfinger

welt-sichten 11-2008