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welt-sichten. Magazin für Entwicklungspolitik und ökumenische Zusammenarbeit

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Bücher zum Thema

Sven Giegold, Dagmar Embshoff (Hg.)
Solidarische Ökonomie im globalisierten Kapitalismus
VSA-Verlag, Hamburg 2008,
237 Seiten, 14,80 Euro

Lange bevor die aktuellen Krisen das globale Finanz- und Wirtschaftssystem erschütterten, stellten sich im November 2006 rund 1400 Teilnehmerinnen und Teilnehmer eines politischen Kongresses in Berlin die Frage: „Wie wollen wir wirtschaften?“ Fachleute und Beteiligte aus verschiedenen Bereichen der solidarischen Ökonomie berichteten und diskutierten über Erfahrungen mit Kooperativen in Brasilien und Venezuela, mit Genossenschaften in Frankreich und Italien sowie mit alternativen Währungssystemen in Deutschland. Solidarische Alternativen in der Gesundheitsversorgung und Wohnprojekte wurden ebenso erörtert wie die internationale Zusammenarbeit sozialer Bewegungen. Der Band dokumentiert mehr als 50 Kongress-Beiträge , die sich theoretisch oder praktisch mit Modellen solidarischen Wirtschaftens auseinandersetzen. Besonders hervorzuheben ist der einleitende Text von Sven Giegold und Dagmar Embshoff, der die Beispiele in einen größeren Zusammenhang stellt und nicht verschweigt, dass die solidarische Ökonomie mit ihrer 200-jährigen Tradition nicht nur eine Geschichte des Erfolgs, sondern auch eine des Scheiterns ist. Doch eine Auseinandersetzung mit ihren Stärken und Schwächen ist – gerade abgesichts der gegenwärtigen Krisen – lohnenswert. Das Buch ist dabei sehr hilfreich.

(gwo)



David Bornstein
Die Welt verändern
Social Entrepreneurs und die Kraft neuer Ideen
Klett-Cotta, Stuttgart 2005,
410 Seiten, 24,90 Euro

Eine Notrufnummer für Straßenkinder in Indien, Pflege für arme Aids-Patienten in Südafrika oder angemessene Einrichtungen für Behinderte in Ungarn: Jahrelang hat David Bornstein weltweit nach Menschen gefahndet, die solche und ähnliche soziale Projekte in Eigeninitiative umsetzen. Sie werden als „Social Entrepreneurs“ bezeichnet, denn sie bauen Hilfsorganisationen oder Netzwerke auf, setzen sich gegen bürokratische Widerstände durch und finanzieren ihre Ideen auf unterschiedlichste Art. Seit den 1980er Jahren ist dieser „globale Bürgersektor“ begünstigt von der Demokratisierung vieler Länder enorm gewachsen. Zehn Beispiele aus aller Welt zeigen dies, in Zwischenkapiteln werden allgemeine Erkenntnisse abgeleitet. Die einzelnen Geschichten sind an die Arbeit von „Ashoka“ angelehnt, einer Organisation, die der US-Amerikaner Bill Drayton 1978 gegründet hat. Seitdem unterstützt Ashoka weltweit Sozialunternehmer. Bornstein hat ein sehr unterhaltsames Lesebuch geschrieben, das Optimismus verbreitet und sich auf Erfolgsgeschichten konzentriert. Zwar wird auch erwähnt, dass Projekte insbesondere in Afrika gescheitert sind. Die Gründe dafür erfährt der Leser aber nicht. Das ist schade, denn bekanntermaßen lernt man vor allem aus Fehlern.

(fe)



Silke Helfrich und Heinrich-Böll-Stiftung (Hg.)
Wem gehört die Welt?
Zur Wiederentdeckung der Gemeingüter
Oekom-Verlag, München 2009,
288 Seiten, 24, 90 Euro

Gemeingüter sind ein Schatz, der für alle Menschen da ist. Wasser, Wissen, das Erbgut und die Atmosphäre sind zum Beispiel Grundlagen des Lebens und Wirtschaftens. Sie müssen so genutzt und verwaltet werden, dass sie ihre Funktion auch in Zukunft erfüllen können. Doch viele Gemeingüter gehen infolge von Übernutzung, Kommerzialisierung und Aneignung für private Zwecke der Gesellschaft zunehmend verloren. Konflikte um Wasser, um den Umgang mit Regenwäldern oder um den Zugang zu neuen Technologien nehmen zu. Der Sammelband gibt einen Überblick über den Zustand und die Vielfalt der Gemeingüter. Er schildert auch erfolgreiche Bemühungen von Gemeinschaften in Brasilien, Mexiko und Indien, Wälder nachhaltig zu bewirtschaften oder akuten Wassermangel zu bewältigen. Bürgerinnen und Bürger, so wird deutlich, müssen sich an der Nutzung und Verwaltung der Gemeingüter beteiligen. Denn nur ein verantwortlicher Umgang mit dem natürlichen und kulturellen Erbe – auch jenseits von Markt und Staat – fördert Nachhaltigkeit, Gerechtigkeit und Demokratie. Das Buch beleuchtet das spannende und brisante Thema aus zahlreichen Blickwinkeln, so dass viele beim Lesen einen Anknüpfungspunkt finden dürften.

(gwo)

 

Maria Pagura (Hg.)
Expanding the Frontier in Rural Finance
Practical Action Publishing,
Bourton on Dunsmore 2008,
312 Seiten, 45,95 US-Dollar

Wie können Menschen in Landgebieten von Entwicklungsländern besser Zugang zu Krediten, Konten und anderen Finanzdienstleistungen erhalten? Banken und Finanzinstitute, die ein breites Service-Spektrum anbieten könnten, scheuen angesichts des oft schwierigen politischen und wirtschaftlichen Umfelds das Risiko, sich auf diesem Markt zu etablieren. Mikrofinanzinstitutionen, Kreditkooperativen oder Dorfbanken kennen zwar die lokalen Märkte und sind näher an ihren Kunden, doch sie haben keinen Zugang zum Kapitalmarkt und bieten nur wenige Angebote in einem begrenzten Raum. Dieses Fachbuch zeigt an elf Fallstudien aus Afrika, Asien und Lateinamerika, wie formelle und informelle Finanzinstitute zusammenarbeiten können, um die wirtschaftliche Entwicklung in ländlichen Gebieten voranzubringen. Die Studien geben Hinweise darauf, dass eine Kooperation beiden Seiten nutzt, um ihre jeweiligen Schwächen auszugleichen. Neben der Vergabe von Krediten könnten auf diese Weise auch Versicherungen, Überweisungen und Konten  angeboten werden. Aber auch die Risiken einer Zusammenarbeit werden thematisiert. Das Buch versteht sich als eine erste Forschungsarbeit und erhebt nicht den Anspruch, allgemein gültige Ergebnisse zu liefern. Es richtet sich an ein Fachpublikum.

(gwo)

welt-sichten 11-2009