UNCTAD
World Investment Report 2009
Transnational Corporations, Agricultural Production and Development
Genf 2009, 280 Seiten,
www.unctad.org/wir
Die Investitionen transnationaler Konzerne in aller Welt sind 2008 um 14 Prozent auf 1,7 Billionen US-Dollar gefallen; im Jahr davor waren es noch knapp 2 Billionen Dollar. Die UN-Handelsorganisation UNCTAD rechnet als Folge der Wirtschaftskrise dieses Jahr mit einem weiteren Rückgang auf 1,2 Billionen Dollar – das wären dann weniger als vor zehn Jahren. Laut dem diesjährigen UNCTAD-Weltinvestitionsbericht hat der Rückgang im vergangenen Jahr vor allem die westlichen Industrieländer betroffen, während die Entwicklungsländer insgesamt sogar zulegen konnten. Ihr Anteil an den gesamten Investitionen transnationaler Konzerne lag 2008 bei 43 Prozent; vor zehn Jahren waren es erst zwischen 25 und 35 Prozent. Laut UNCTAD wird die Krise sich dieses Jahr aber auch in Afrika, Asien und Lateinamerika bemerkbar machen und das Engagement ausländischer Konzerne in diesen Regionen entsprechend sinken.
Schwerpunktthema des diesjährigen Berichts sind Investitionen ausländischer Unternehmen in die Landwirtschaft von Entwicklungsländern. Die sind in jüngster Zeit angesichts großer Landkäufe ausländischer Investoren vor allem in Afrika unter dem Stichwort „land grabbing“ in Verruf geraten. UNCTAD nennt die Risiken, die mit solchen Landkäufen verbunden sind, betont aber zugleich, die Landwirtschaft vieler armer Länder sei auf ausländisches Kapital angewiesen. Allerdings investieren die meisten Konzerne laut UNCTAD in den Anbau von Exportpflanzen (cash crops); es sei bislang nicht erkennbar, dass sie in den betroffenen Ländern zur Ernährungssicherheit beigetragen hätten.
Den so genannten Vertragsanbau (contract farming) wertet die UNCTAD als eine besonders viel versprechende Form des Engagements transnationaler Konzerne. Dabei arbeiten Bauern auf ihrem Land als Zulieferer für Lebensmittelhersteller oder Supermarktketten. In Brasilien werden bereits drei Viertel des Geflügels im Rahmen solcher Verträge produziert. In Vietnam stammen 90 Prozent der Baumwolle und knapp die Hälfte der Reisproduktion aus dem Vertragsanbau. Das bringe den Bauern verlässliche Einkommen und landwirtschaftliches Know-how. Allerdings bleibe die „große Herausforderung“, den Vertragsanbau so zu gestalten, dass er auch zur Linderung des Hungers beiträgt.
(ell)
