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Afrikas starke Frauen

Reimer Gronemeyer, Matthias Rompel   
Verborgenes Afrika.
Alltag jenseits von Klischees
Brandes & Apsel Verlag,
Frankfurt/Main 2008,
184 Seiten, 17,90 Euro


Das Bild von Afrika, das in den Medien und in den Vorstellungen der meisten Menschen vorherrscht, kann zornig machen angesichts der Klischees, die einen Kontinent der Katastrophen und des Hungers zeichnen und Afrikanerinnen und Afrikaner als Opfer oder Versager darstellen. Reimer Gronemeyer und Matthias Rompel verfolgen also ein berechtigtes Anliegen, wenn sie in ihrem Buch Afrikas Alltag jenseits dieser Klischees beschreiben wollen. Und es ist verständlich, dass sie es oft polemisch und mit kaum unterdrückter Wut tun.

Doch es hätte ihrem Anliegen mehr gedient, wenn ihre Analyse differenzierter ausgefallen wäre. Die Gegenüberstellung von Europa und Afrika ist oft verkürzt, ob es nun um die Rolle der Alten, der Subsistenz oder der Familie geht. Wenn sie im Rahmen ihrer berechtigten Kritik an der westlichen Gesellschaft „afrikanische“ Traditionen und Kulturen als Gegenentwurf beschreiben, so müssen sie sich den Vorwurf der Romantisierung gefallen lassen. Die Diskussion unter entwicklungspolitisch Interessierten ist in vielen Punkten weiter. Manche der plakativen Darstellungen in dem Buch schrecken eher ab.

Auch wenn der Titel „Verborgenes Afrika“ anderes verspricht – in diesem Buch geht es eigentlich um das Überleben im südlichen Afrika, um Aids und seine verheerenden Folgen für die Gemeinschaft und die Familien. Die meisten Beispiele kommen aus Namibia, auf das Leben beispielsweise in Mali oder Kamerun lassen sie sich nicht übertragen. Warum stehen die Autoren im Titel nicht zu diesem Schwerpunkt? Zu den Ursachen und Auswirkungen von Aids haben sie viel zu sagen. Das hat Reimer Gronemeyer bereits mit seinem Buch „So stirbt man in Afrika an Aids“ bewiesen.

Beeindruckend wird das Buch, wenn das Engagement einzelner Frauen geschildert wird, die den sozialen Zusammenhalt und das Leben in den von Aids geprägten Dörfern und Städten des südlichen Afrika überhaupt ermöglichen. Ihnen muss unser Respekt und unsere Unterstützung gelten. Sie verhindern, dass das Leben im Chaos endet, so wie es aus der Zeit der europäischen Pestseuchen beschrieben wird. Dabei sind viele im Rentenalter, Großmütter, die es verdienten, in Ruhe alt zu werden. Die Seiten, die von diesen Menschen erzählen, gehören zu den stärksten des Buches. Sie machen deutlich, dass nicht die großen Stiftungen mit ihren populären Geldgebern die wahren Helden der Aids-Pandemie sind, sondern die Menschen in Afrika, die trotz allem für Waisen da sind, Kranke pflegen und ein menschliches Weiterleben ermöglichen.


Regina Riepe

welt-sichten 12-2008/01-2009