Die vergessenen Opfer
Unterrichtsmaterial über die Dritte Welt im Zweiten Weltkrieg
Recherche International e.V.
Die Dritte Welt im Zweiten Weltkrieg.
Unterrichtsmaterialien zu einem vergessenen Kapitel der Geschichte
Rheinisches JournalistInnenbüro,
Köln 2008, 224 Seiten, 12 Euro
Der Krieg von 1939 bis 1945 war ein Weltkrieg im wahrsten Sinne des Wortes. Millionen Menschen aus den Kolonien der europäischen Mächte waren daran beteiligt: als Soldaten, als Zwangsarbeiterinnen und Zwangsarbeiter, als Zwangsprostituierte. 2,5 Millionen indische Soldaten kämpften etwa auf Seiten der Alliierten, einige Tausend Inder waren in der indischen Legion der deutschen Wehrmacht und Waffen-SS eingesetzt. An europäischen Kriegsfronten fielen Hunderttausende Kolonialsoldaten aus Afrika, Asien und Ozeanien.
Diese Kriegsbeteiligten sind den Europäern nicht im Bewusstsein, in den gängigen Statistiken kommen sie meist nicht vor. Es wird auch wenig gefragt, wie der Zweite Weltkrieg die Regionen des Südens zum Nachteil mit geprägt hat. Eine Würdigung, Entschädigungszahlungen oder gar Renten gibt es für die Betroffenen und ihre Nachkommen bis heute nicht. Der auf Europa und die USA konzentrierte Blick bestimmt bis heute auch die Darstellung in den Schulbüchern für Geschichte, Politik und Erdkunde.
Das Rheinische JournalistInnenbüro hat nun einen Band mit Unterrichtsmaterialien für die Sekundarstufe II und die Erwachsenenbildung vorgelegt, der grundlegende Informationen zum Thema vermittelt. Dieser Band greift zurück auf die 2005 erschienene Dokumentation „Unsere Opfer zählen nicht“, das Ergebnis zehnjähriger Recherchen eines Kölner Autorenteams in rund 30 Ländern. Für Afrika, Asien und Ozeanien werden jeweils eine Karte, eine vielfältig einsetzbare Fotogalerie und eine Zeittafel angeboten. Die Textbeiträge sind thematisch breit gefächert. Im Kapitel Afrika befassen sie sich etwa mit Afrikanern in deutscher Kriegsgefangenschaft, der Diskriminierung afrikanischer Veteranen nach dem Kriegsende sowie der Kriegswirtschaft in Afrika und ihren Folgen.
Viele Materialien sind in schülergerecht aufgearbeiteten Quellen verfügbar gemacht. Ideen für eine abwechslungsreiche Gestaltung des Unterrichts werden im Anhang angeboten. Ein umfangreiches Medien- und Literaturverzeichnis rundet das Angebot ab. Die beiliegende CD enthält alle Materialien und präsentiert Originaltöne von Zeitzeugen.
Chancen für die Umsetzung im Unterricht dürften besonders die von den Herausgebern vorgestellten übergreifenden Themen bieten: Kolonialgeschichte, Rassismus, Frauen und Krieg, antifaschistischer Widerstand, Kollaboration, Umgang mit der Vergangenheit. Aber auch für Leistungskurse in Geschichte und Politik sowie für die Erwachsenenbildung ist das Material geeignet. Es aufzugreifen, wäre ein guter Beitrag zur laufenden UN-Dekade „Bildung für eine nachhaltige Entwicklung“.
Martin Geisz
