Keine Inseln der Glücklichen
Evangelisches Missionswerk (Hg.)
Jahrbuch Mission 2008.
Pazifik: Glaube, Kultur, Gesellschaft
Missionshilfe Verlag, Hamburg 2008,
304 Seiten, 9,80 Euro
Über keine Region auf der Südhalbkugel ist im Norden weniger bekannt als über die Inseln im Pazifik. Kitsch und Klischees von Südseestränden und Palmen, Bounty-Romantik sowie bestenfalls die Bilder von Paul Gauguin bestimmen die Sicht auf den pazifischen Raum. Das Evangelische Missionswerk in Hamburg setzt dem mit seinem Jahrbuch Mission 2008 einen differenzierten und eindringlichen Blick auf die Realität des „Wasserkontinents“ und die Lebenssituation dort entgegen.
Knapp 40 Autorinnen und Autoren aus den Südpazifikstaaten und Europa haben Diagnosen zur politischen, sozialen, ökologischen, kulturellen und religiösen Situation der Inselstaaten geliefert. Darunter sind auch die Gebiete, die als abhängige Territorien nach wie vor insbesondere von den USA und Frankreich beherrscht und benutzt werden. Es wird deutlich, wie die Globalisierung die Menschen in Mikronesien, Melanesien und Polynesien auf eine besonders perfide Weise zu Opfern macht, etwa durch die Ausplünderung ihres Fisch- oder Phosphatreichtums.
Die existentielle Bedrohung der pazifischen Inseln durch den Klimawandel, den steigenden Meeresspiegel und die immer häufigeren und heftigeren Stürme bestimmt längst die Lebenswirklichkeit von Hunderttausenden Menschen. Frank Kürscher-Pelkmann, der die EMW-Jahrbuchreihe seit langem engagiert und kompetent redaktionell betreut, fordert in seinen Einleitungskapitel zu Recht deutlich mehr Solidarität mit den Bewohnern einer Region, in der es keine „Inseln der Glücklichen“ gibt, aber sehr wohl einen kulturellen, sozialen und religiösen Reichtum, der extrem gefährdet ist.
Jürgen Schübelin
