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welt-sichten. Magazin für Entwicklungspolitik und ökumenische Zusammenarbeit

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Bücher zum Thema

Johannes Wallacher und Karoline Scharpenseel (Hg.)
Klimawandel und globale Armut
Kohlhammer Verlag, Stuttgart 2009
171 Seiten, 22,00 Euro

Dieses Buch behandelt Klimapolitik als Problem weltweiter Gerechtigkeit. Es geht auf ein Symposium im Rahmen des Misereor-Projekts „Klimawandel und Gerechtigkeit“ von Mitte 2008 zurück, ist aber unverändert aktuell. Am Beispiel Indonesien wird die Wechselwirkungen von Klimawandel und Armut betrachtet. Das Land ist ein Mitverursacher der Erderwärmung – besonders wegen der Abholzung von Regenwäldern – und zugleich eins der ersten Opfer, wobei es die Armen am härtesten trifft. Ein Schluss daraus lautet, dass Klimaschutz nicht nur den Bedingungen einzelner Länder angepasst sein muss, sondern auch die Armen im jeweiligen Land besonders im Blick haben muss. Ausführlich werden dann ethische Fragen diskutiert wie Pflichten gegenüber späteren Generationen und warum Menschen in reichen Ländern ein niedrigeres Budget für künftige Emissionen erhalten sollten als in armen Ländern. Hier wird deutlich, dass man sich implizite ethische Urteile in der Klimapolitik bewusst machen sollte. Abschließend skizzieren Mitarbeiter des Potsdam-Instituts für Klimafolgenforschung einen globalen Klimapakt, der zugleich wirksam, kosteneffizient und fair sein müsste. Ihn zu schließen ist danach durchaus möglich, aber politisch sehr schwierig.

(bl)



Lael Brainard, Abigail Jones and Nigel Purvis (Hg.)
Climate Change and Global Poverty.
A Billion Lives in  the Balance?

Brookings Institution Press, Washington 2000
300 Seiten, 22,95 US-Dollar

Die Folgen des Klimawandels treffen vor allem die armen Länder. Dass sie die Hilfe der reichen Staaten benötigen, um damit besser fertig zu werden, ist unstrittig. Über die Art und den Umfang dieser Unterstützung wird jedoch erbittert debattiert. Dieses Buch zeigt, wie Klimaschutz und Armutsbekämpfung miteinander verknüpft werden müssen, damit hart erkämpfte Entwicklungsfortschritte nicht von den Auswirkungen der Erderwärmung zunichte gemacht werden. In 14 Beiträgen wird untersucht, wie sich der Klimawandel auf die Ernährungssicherheit oder auf Wirtschafts- und Gesundheitssysteme in den Ländern des Südens auswirkt, wie die schädlichen Folgen verringert werden könnten und welche öffentlichen und privaten Finanzierungsmöglichkeiten dafür erfolgversprechend sind. Im abschließenden Kapitel befassen sich Vertreter von Oxfam unter anderem mit der die Rolle internationaler Unternehmen bei der Entwicklung von kohlestoffarmen Technologien in armen Ländern. Das Buch gibt einen guten Überblick über die einzelnen Problemfelder und wartet mit konkreten Handlungsempfehlungen auf. Ob sie an der ein oder anderen Stelle verwirklicht werden können, bleibt abzuwarten.

(gwo)



Michael Müller, Kai Niebert
Epochenwechsel. Plädoyer für einen grünen New Deal
Oekom-Verlag, München 2009
280 Seiten, 19,90 Euro

Angesichts der gegenwärtigen Finanz-, Klima- und Rohstoffkrise kann das 21. Jahrhundert zu einer Zeit der Konflikte, Not und Vertreibung werden. Der frühere Staatsekretär im Bundesumweltministerium, Michael Müller, und der Wissenschaftler Kai Niebert sehen jedoch gerade jetzt eine Chance für die Demokratie, die notwendige sozialökologische Wende zu schaffen. Grundlage dafür ist für sie das Konzept des grünen „New Deal“, das unter anderem auf erneuerbare Energien und eine Steigerung der Energieeffizienz setzt. Die Autoren schlagen eine ganze Reihe sehr konkreter Schritte vor – etwa den ökologischen Umbau der Mehrwertsteuer, die Einrichtung eines Energieeffizienz-Fonds und die Prüfung, ob sich ein CO2-Handel für Privathaushalte nach dem Vorbild eines britischen Modellprojekts umsetzen lässt. Alle finden in diesem Buch Handlungstipps für ihren persönlichen grünen „New Deal“. Propagiert wird eine ökologische Dienstleistungsgesellschaft, die Ressourcen wiederverwertet, statt sie zu verbrauchen. Das Buch liefert fundiertes Wissen und stichhaltige Argumente. Den Fragen, warum Politiker und die Gesellschaft insgesamt ihrem Wissen zum Trotz nicht handeln und wie sie dazu gebracht werden könnten, stellt es sich aber nicht.

(gwo)



Günter Altner, Heike Leitschuh, Gerd Michelsen, Udo E. Simonis und Ernst U. von Weizsäcker (Hg.)
Jahrbuch Ökologie 2010
Umwälzung der Erde. Konflikte um Ressourcen

S. Hirzel Verlag, Stuttgart 2009248 Seiten, 19,80 Euro

Der erste Teil dieses Jahrbuchs befasst sich mit Aspekten der Klimapolitik. Unter anderem plädiert Hans-Christoph Binswanger für zwei praktische Ansätze, die dem Kapitalismus inhärente Wachstumsdynamik zu bremsen: Man solle den Geschäftsbanken die Möglichkeit zur Geldschöpfung nehmen und das Aktienrecht so ändern, dass börsennotierte Aktien nach einer Zeit verfallen. Der Schwerpunktteil des Buches behandelt ein verwandtes Thema: Die Knappheit von Ressourcen wie Öl, Wasser und Land, die Gefahr zunehmender Konflikte darum sowie Wege, die Ausbreitung solcher Konflikte zu vermeiden. Im Zentrum mehrerer Beiträge steht der Übergang in eine Gesellschaft mit drastisch verringertem Ressourcenverbrauch – nicht nur in einzelnen Produktionsprozessen, sondern im gesamten Lebenszyklus der Produkte. Artikel zu ganz verschiedenen Themen runden den Band ab. So untersucht ein Beitrag die Bedingungen einer nachhaltigen und genügsamen Wirtschaftsweise. Die Autoren betonen unter anderem, dass dazu nicht zuletzt eine gerechte Verteilung der Arbeit und der Einkommen gehört – ein auch für die Klimapolitik wichtiger Befund.

(bl)

welt-sichten 12-2009/01-2010