Der Kampf geht weiter
Christa Wichterich
gleich, gleicher, ungleich.
Paradoxien und Perspektiven von Frauenrechten in der Globalisierung
Ulrike Helmer Verlag, Sulzbach 2009
240 Seiten, 19,90 Euro
Die bevorstehende Jahreswende bietet Anlass für frauenpolitische Bilanzen: Vor genau zwanzig Jahren verabschiedete die Generalversammlung der Vereinten Nationen die Anti-Diskriminierungskonvention CEDAW. Dieser Entscheidung ging jahrelange politische Lobbyarbeit von international vernetzten Frauenrechtsaktivistinnen voraus. Während der Weltfrauendekade 1975 bis 1985 forderten sie zahlreiche Veränderungen im wirtschaftlichen und politischen Leben und stellten gängige Entwicklungskonzepte in Frage. Die Gender- und Entwicklungsexpertin Christa Wichterich blickt in ihrem neuen Buch zurück auf die Geschichte von Frauennetzwerken, die internationale Abkommen erkämpften, und vermittelt ihren Leserinnen und Lesern einen kenntnisreichen Überblick.
Im ersten Teil ihres Buches würdigt Wichterich die Erfolge der Aktivistinnen, erläutert zugleich Differenzen und Kontroversen und illustriert die Widersprüche ihres Vorgehens. Ein zentrales Spannungsfeld, in dem sich Frauenrechtlerinnen weltweit bewegen, ist einerseits die Forderung nach Geschlechtergerechtigkeit in bestehenden Institutionen und andererseits der Kampf für grundlegende Veränderungen gesellschaftlicher und wirtschaftlicher Machtverhältnisse.
Den Verbindungen zwischen Ungleichheiten im Geschlechterverhältnis und ökonomischen Rahmenbedingungen widmet sich der zweite Teil des Buches. Die Autorin deckt geschlechtsspezifische Ausbeutungsstrukturen in unterschiedlichen Wirtschaftsbereichen auf. Sie belegt die Missstände in der globalisierten Bekleidungsindustrie, im transnational organisierten Pflegebereich und in der Beschäftigung von Hausangestellten an zahlreichen Länderbeispielen. Gleichzeitig tragen die wirtschaftlichen Transformationsprozesse zu sozialen Spaltungen bei und verschärfter Konkurrenz zwischen Frauen – Prozesse, die Wichterich auf den Abbau des Wohlfahrtsstaates und die Liberalisierung der Dienstleistungsmärkte zurückführt.
Auch die fundierte Analyse im dritten Teil des Buches überzeugt durch die Querverbindungen zwischen den Ökonomien aller Kontinente. Wichterich stellt die globale Finanzkrise in den Mittelpunkt und analysiert die Widersprüche des kapitalistischen Wirtschaftssystems aus einer feministischen Perspektive. Sie fragt nach emanzipatorischen Alternativen und lotet Möglichkeiten für den Aufbau von Gegenmacht aus. Dabei richtet sie ihren Blick auf die Globalisierung von unten und auf lokale Märkte. Ihr Fazit: Die Überwindung von Ausbeutung und Verletzungen der Frauenrechte erfordert feministische Antworten, die auf grundlegende Veränderungen der Herrschafts- und Machtverhältnisse abzielen sollten.
Rita Schäfer
