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Hoffnungsträger in einer bitterarmen Gegend

Der buddhistische Geistliche Dolpo Tulku kehrt heim in den Himalaya
„Dolpo Tulku – Heimkehr in den Himalaya“
Regie: Martin Hoffmann, Deutschland 2009
107 Minuten, Verleih: Piffl Medien,
Kinostart: 7. Januar 2010


1991, im Alter von zehn Jahren, stand Sherap Sangpos Entschluss fest. Der Hirtenjunge aus dem Tarap Tal in Dolpo, dem am höchsten besiedelten Gebiet Nepals, wollte Mönch werden. Den Ausschlag für diese Entscheidung gab eine Begegnung mit dem Dalai Lama. Kurz darauf wurde Sherap Sangpo als Reinkarnation eines hochstehenden Lama, des Dolpo Tulku, er-kannt. Zur Ausbildung kam der Junge in das buddhistische Exilkloster Namdroling in Südindien. Nach 16 Jahren Studium schloss er die Klosteruniversität ab. Im Sommer 2008 kehrte Dolpo Tulku, auch Tulku Sherap Sangpo genannt, erstmals in den Dolpo zurück, um sein Amt als geistliches Oberhaupt anzutreten.

Für seinen Dokumentarfilm begleitete der deutsche Regisseur Martin Hoffmann die beschwerliche Heimkehr des Dolpo Tulku über Bergpässe in mehr als 5000 Meter Höhe. In der Region ohne Straßen gibt es erst seit einigen Jahren vereinzelt Telefon und Solarstrom. Dank der isolierten Lage hat sich hier aber zugleich eine uralte buddhistische Kultur erhalten. In ruhigen, zuweilen geradezu meditativen Bildern hält Hoffmann wichtige Stationen der wochenlangen Wanderung fest, gewährt Einblicke in den einfachen Alltag der überwiegend bäuerlichen Bevölkerung und zeigt faszinierende Rituale wie die Cham-Tanzzeremonie.

Ob nun bei Dolpo Tulkus Besuch des elterlichen Bauernhofs, bei der Butter-Herstellung von Hand oder bei der Seelsorge für eine alte Frau, westlichen Augen fällt immer wieder der Kontrast zwischen archaischer Lebensweise und moderner Zivilisation auf. Der Filmemacher verzichtet dabei auf einen Off-Kommentar, er blendet nur gelegentlich schriftliche Angaben zum Ort des Geschehens oder kurze Erklärungen ein und verwendet sparsam untermalende musikalische Akzente. Eindrucksvoll schildert Hoffmann, wie begeistert die armen Dolpo-Bewohner den hochgebildeten Geistlichen empfangen, der nach und nach seine drei künftige Amtssitze, die Klöster Tarap, Namgung und Saldang, besucht, ehe er in einer festlichen Zeremonie inthronisiert wird.

Für die Dolpo-Bewohner ist der 28-jährige Geistliche, der souverän mit dem Laptop umgehen kann, ein Hoffnungsträger. Sie erwarten, dass er ihnen nicht nur spirituell zur Seite steht, sondern auch zu besseren Lebensbedingungen verhilft. Ernüchtert stellt der Dolpo Tulku die Rückständigkeit seiner Heimat fest: „Ich hatte erwartet, dass sich das Dolpo weiterentwickelt hat. Aber es ist alles so wie früher. Es gibt nur ein paar neue Häuser.“ Vordringlich sind für ihn der Bau eines Krankenhauses und einer Straße, die von Lastwagen befahren werden kann. „Weil es kein Krankenhaus gibt, sterben viele Frauen bei der Geburt. Außerdem sterben viele Kleinkinder“, konstatiert der Geistliche. Und durch den langen aufwändigen Transport aus den tiefer gelegenen Städten würden lebenswichtige Waren immer teurer. Zudem will Dolpo Tulku eine Mönchsgemeinschaft und eine Schule für buddhistische Logik aller Lehrrichtungen aufbauen.

Dem Regisseur Hoffmann ist es gelungen, ein Vertrauensverhältnis zum Protagonisten aufzubauen, der keine Kamerascheu erkennen und gelegentlich Sinn für Humor aufblitzen lässt, etwa wenn er in einem unwirtlichen Dolpo-Kloster gesteht, dass er etwas Komfort wie ein Badezimmer durchaus schätzt. Besonders sympathisch wirken die Selbstzweifel des jungen Mannes: „Wenn die Menschen mir solchen außerordentlichen Respekt zeigen, dann frage ich mich, wie ich ihre Hoffnungen erfüllen kann.“

Im Abspann des Films ist zu erfahren, dass Dolpo Tulku begonnen hat, ein Netz von Unterstützern aus dem Ausland aufzubauen. Mit deren Hilfe werden rund sieben Hektar Land bei Kathmandu gekauft, wo sich viele Bewohner des Dolpo während des Winters aufhalten. Hier soll ein Zentrum vor allem zur Ausbildung und medizinischen Versorgung entstehen. Über die Verbesserung von Wasserleitungen und Elektrizität hinaus sei sein wichtigstes Ziel „die höhere Bildung der Kinder“.


Reinhard Kleber

welt-sichten 12-2009/01-2010