Editorial
Liebe Leserinnen und Leser,
Metalle gehören zu den Grundbestandteilen all der Geräte, die uns das Leben erleichtern. Die Nachfrage nach ihnen steigt mit der Industrialisierung der Schwellenländer, und die moderne Technik braucht wachsende Mengen exotischer Metalle. Das lässt diese Rohstoffe teurer und einige knapp werden, erklärt Heike Holdinghausen. Die Einnahmen vieler Bergbau-Unternehmen steigen. Doch das kommt, wie Tillmann Elliesen in Sambia festgestellt hat, nur zum kleinen Teil den rohstoffreichen Ländern zugute. Sambias neuer Präsident will das ändern und die Steuern der Kupferkonzerne anheben.
Das wird nicht einfach. Rohstoff-Unternehmen haben gegenüber Staaten beträchtliche Macht, schreiben Friedel Hütz-Adams und Irene Knoke. Dennoch können Länder sich mit Hilfe von Rohstoffen wirtschaftlich entwickeln. Wo die Ausbeutung von Naturschätzen von der restlichen Wirtschaft isoliert ist und die Jagd nach schnellen Profiten nicht gezügelt wird, entsteht zwar oft ein Teufelskreis aus Raubbau, Korruption und Armut. Doch diesem „Fluch der Ressourcen“ können entschlossene Regierungen entgehen, betont Edward Barbier – mit einer Entwicklungsstrategie, die unter anderem Einkommensmöglichkeiten für die Armen schafft. Von ihnen graben viele aus purer Not mit altertümlichen Methoden nach Mineralien – wie die Goldschürfer in Peru, die Hildegard Willer besucht hat. Im Ostkongo fließen die Gewinne aus solchem „wilden“ Bergbau auch an die Armee und an Milizen und fördern die Gewalt. Ein Exportstopp, der infolge eines Gesetzes in den USA droht, ist für Onesphore Sematumba dennoch keine gute Idee: Er würde den Menschen im Ostkongo ihren einzigen Lebensunterhalt nehmen.
In Algerien ist eine ganz andere Wirkung von Öl- und Gasreichtum zu beobachten: Er erlaubt der Regierung, die Bevölkerung mit Sozialausgaben zu beschwichtigen. Dies und das Trauma des Bürgerkrieges in den 1990er Jahren erklären für Luis Martinez, dass der arabische Frühling dieses Land nicht erfasst. Südlich der Sahara hingegen macht er die Autokraten nervös, berichtet Rudolf Küng – während Sri Lankas Regierung nach ihrem Sieg über die tamilischen Rebellen im Siegestaumel ist und sich nicht um nationale Versöhnung schert.
Eine anregende Lektüre wünscht
Bernd Ludermann
Chefredakteur


