Hilfe für Hungernde in Ostafrika: Zu wenig, zu spät
Die Hilfsorganisationen Oxfam und Save the Children gehen in einem neuen Bericht hart mit der internationalen Hilfe für die Opfer der Dürrekatastrophe am Horn von Afrika ins Gericht. Menschliches Versagen habe die Krise in eine Katastrophe verwandelt, schreiben sie.
Bereits im August 2010 sei die Krise infolge von Dürre absehbar gewesen, heißt es in dem Bericht. Die Hilfe habe jedoch erst im Sommer 2011 eingesetzt, nachdem die Regenfälle zum zweiten Mal in Folge ausgeblieben waren. Zu diesem Zeitpunkt seien bereits Menschen verhungert. Die Zahl der Todesopfer, das Leid der Menschen und auch die Kosten für die Hilfe hätten wesentlich verringert werden können, wenn die internationale Gemeinschaft früher auf die Frühwarnsysteme reagiert hätte. Diese Kritik ist zwar nicht neu, aber Oxfam und Save the Children machen einen grundlegenden Fehler im internationalen System der humanitären Hilfe und der Entwicklungshilfe für die verspätete Reaktion verantwortlich. Und sie empfehlen einen Systemwandel: Die Trennung zwischen beiden müsse überwunden werden, indem vorrangig die Risiken für eine Notlage abgewendet und reduziert werden und nicht erst in der Krise gehandelt werde. Dies gelte für nationale Regierungen, Geber, die Vereinten Nationen und nichtstaatliche Hilfsorganisationen (NGO) gleichermaßen. Vor allem für letztere - darunter die Verfasser des Berichtes - dürfte das schwierig sein: Sie erhalten Spenden in der Regel erst dann, wenn die ersten hungernden Kinder im Fernsehen oder auf Magazin-Fotos zu sehen sind. So müsste sich auch das Verständnis der westlichen Gesellschaften von sinnvoller Unterstützung für die Armen in Entwicklungsländern ändern. Ein dickes Brett. (gka - 20.01.2012)

