Die WTO am Abgrund
Die Doha-Runde der Welthandelsgespräche steht vor dem Scheitern. Das liegt laut einem neuen Papier aus dem DIE daran, dass die Voraussetzungen für einen Konsens schwinden. Um wichtige Funktionen der Welthandelsorganisation WTO zu wahren, müsse diese reformiert werden.
Die WTO ist laut der Studie ein Opfer ihres eigenen Erfolgs. Mit ihrer Gründung 1995 wurden die Prinzipien Entscheidung im Konsens und universelle Regeln mit einem wirksamen Mechanismus der Regeldurchsetzung verbunden zu einer „unmöglichen Dreifaltigkeit". Seitdem sind die Zahl der WTO-Mitglieder weiter gewachsen - beispielsweise um China - und ihre Interessen, speziell der Entwicklungsländer, auseinandergedriftet. Zudem wirken immer mehr der Ministerien aus ein und demselben Staat in der WTO mit. All das macht die Bildung von themenbezogenen Koalitionen immer schwieriger. Zudem, so das Papier weiter, können die USA weniger als früher die Richtung vorgeben; strittige Themen - zum Beispiel Regeln für Dienstleistungsmärkte - sind komplizierter als in früheren Verhandlungsrunden; und die Industrieländer haben mit bilateralen Verträgen eine Alternative gefunden, ihre Interessen durchzusetzen. Die Autoren sprechen sich dennoch dafür aus, die Doha Runde abzuschließen. Doch auch wenn das gelinge, werde das wohl die letzte solche Verhandlungsrunde unter dem Dach der WTO sein. In jedem Fall müsse man verhindern, dass die Rolle der WTO als Schlichter und Überwacher im Welthandelsregime untergraben wird. Das Papier empfiehlt Reformen, mit denen die „unmögliche Dreifaltigkeit" aufgeweicht wird, indem zum Beispiel das Konsensprinzip gelockert und der Spielraum für regionale Verträge außerhalb der WTO erweitert werden. (bl, 31.1.2012)

