Demokratie
Kommt Lula zurück? Seit 7. März sitzt er zwar im Gefängnis - trotzdem ist weiterhin offen, ob er zur Wahl antreten wird.
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Wahlen in Lateinamerika

In Kuba ist die Castro-Dynastie zu Ende gegangen, in Kolumbien hat der Konservative Iván Duque die Präsidentenwahl gewonnen und in Costa Rica konnten sich die sozialdemokratischen Kräfte mit Carlos Alvarado in letzter Minute durchsetzen. Auch in Brasilien und Mexiko stehen 2018 wichtige Wahlen an.

1. Juli: Mexiko

Der mexikanische Kandidat Andrés Manuel López Obrador trat schon zweimal vergeblich bei Präsidentschaftswahlen an. Dieses Mal hat er jedoch gute Chancen zu gewinnen.flickr
Aktuell aussichtsreichster Nachfolger des amtierenden Präsidenten Enrique Peña Nieto ist Andrés Manuel López Obrador. Obrador trat schon bei den Präsidentschaftswahlen 2006 und 2012 an, scheiterte jedoch immer. Beide Male wurde Wahlbetrug vermutet, aber nicht offiziell nachgewiesen.

Dieses Jahr hat AMLO, so sein Kürzel, jedoch gute Chancen, Präsident zu werden. In Umfragen geben ihm rund 50 Prozent der Befragten ihre Stimme. Nach internen Streitereien hat er seine ehemalige Partei verlassen und tritt nun mit seiner Bewegung „Morena“ an. Gegenkandidat von der aktuellen Regierungspartei PRI ist José Antonio Meade. Der 48-Jährige war bereits Außen-, Sozial- und Finanzminister und steht für eine konservative und wirtschaftsnahe Politik. In Umfragen liegt er derzeit jedoch nur bei rund 19 Prozent.

Stärkster Konkurrent von AMLO ist Ricardo Anaya, Kandidat der klerikal-konservativen Partei der Nationalen Aktion (PAN) in Koalition mit der PRD und dem Movimiento Ciudadano. Er kommt in Umfragen auf 26 Prozent der Stimmen. Wichtige Themen im Wahlkampf sind die Wirtschaftskriminalität, die vielen Morde an Frauen, Aktivisten und Journalisten sowie der Kampf gegen die mexikanischen Drogenkartelle.

Oktober: Brasilien

Als Favorit gilt der ehemalige Präsident, Luiz Inácio Lula da Silva – vorausgesetzt, er darf teilnehmen. Anfang April hat er eine Haftstrafe angetreten, zu der er Ende Januar wegen Korruption und Geldwäsche verurteilt worden war. Offen ist weiter, ob er trotzdem versuchen wird, sich zur Wahl zu stellen. Im August endet die Einschreibungsfrist für Präsidentschaftskandidaten. Erst danach kann ein Wahlgericht entscheiden, ob Lula antreten darf.

Rückhalt genießt Lula vor allem bei ärmeren Bevölkerungsgruppen, da er während seiner Regierungszeit mit Sozialprogrammen wie „Bolsa Familia“ die Situation vieler Brasilianer verbessert hat. Auch in einem möglichen Wahlkampf wird die Frage der sozialen Gerechtigkeit wieder eine große Rolle spielen.

Auch der rechte Kongressabgeordnete und Ex-Soldat Jair Bolsonaro rechnet sich Chancen aus. Bolsonaro fällt immer wieder durch homophobe, rassistische und frauenfeindliche Äußerungen auf und glorifiziert die ehemalige Militärdiktatur. Der in der Bevölkerung extrem unbeliebte amtierende Präsident Michel Temer wird nicht mehr antreten.

Update: 29.06.2018

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