Blutgold aus dem Kongo

Weil Gold als sichere Anlage gilt, herrscht derzeit eine große Nachfrage nach dem Edelmetall. Oft ist aber nicht klar, woher es stammt. Eine britisch-amerikanische Firma behauptet, sie habe kurz davor gestanden, Nuggets aus der Demokratischen Republik Kongo in die Schweiz zu bringen, habe aber das Geschäft im letzten Moment platzen lassen. Das Schweizer Staatssekretariat für Wirtschaft (SECO) bestätigt, dass es immer wieder Versuche gibt, Gold aus Krisenländern in die Schweiz einzuführen.

Rohstoffe spielen im kongolesischen Bürgerkrieg eine zentrale Rolle: Milizen finanzieren ihre Waffenkäufe mit dem Verkauf von Diamanten, Kobalt oder Gold. Verschiedene UN-Resolutionen versuchen das zu unterbinden: Wer mit so genanntem Blutgold aus dem Kongo handelt, macht sich strafbar.

Einen Einblick in den Ablauf illegaler Goldgeschäfte geben Dokumente, welche die britisch-amerikanische Firma Firstar Europe Ltd. vor einiger Zeit ins Internet gestellt hat. Firstar war selbst ins fragwürdige Geschäft mit kongolesischem Gold verwickelt. Nach eigener Darstellung verzichtete das Unternehmen aber am Ende auf einen geplanten Deal und veröffentlichte stattdessen die Papiere, die das Geschäft dokumentieren - nach eigenen Angaben mit dem Ziel, andere Firmen zu warnen.

Ein Händler von Firstar schilderte den Sachverhalt in einem Interview mit einer Radiostation in Simbabwe wie folgt: Rund dreieinhalb Tonnen Goldnuggets aus Ostkongo im Wert von 40 Millionen Dollar sollten durch die Niederlassung von Firstar in Zürich an Schweizer Raffinerien gehen und dort zu Goldbarren eingeschmolzen werden. Das Angebot kam laut dem Händler aus Simbabwe. Die Anbieter hätten ihm versichert, das Embargo auf Kriegsgold aus dem Kongo stelle kein Problem dar: Das Herkunftszertifikat könne gefälscht werden. Ob sich die Geschichte tatsächlich so zugetragen hat, ist offen. Das Schweizer Staatssekretariat für Wirtschaft (SECO) hat Kenntnis von dem Fall, weiß allerdings nicht mit Sicherheit, „was da genau passiert ist", sagt Roland Vock, der Leiter des Ressorts Sanktionen.

Fest steht aber, dass zweifelhafte Angebote nicht selten sind. „Da wird vieles versucht", stellt Vock fest. Die Goldraffinerien bestätigen das. „Wir lehnen immer wieder Angebote ab", sagt Erhard Oberli, der Direktor der Tessiner Gold-Raffinerie Argor-Heraeus. Seit sich das Unternehmen vor einigen Jahren mit Vorwürfen der UN-Expertenkommission für den Kongo konfrontiert sah, ist es besonders vorsichtig geworden, obwohl die Vorwürfe später entkräftet wurden. In manchen Fällen sei es offensichtlich, dass etwas nicht stimme, sagt Oberli. Zum Beispiel dann, wenn aus einer Mine mehr Edelmetall angeboten werde, als diese fördere. Andere Fälle seien weniger eindeutig. „Das Risiko tragen wir", hält der Direktor von Argor-Heraeus fest.

Die Unternehmen riskieren, auf der Sanktionsliste der Vereinten Nationen zu landen. Das SECO empfiehlt Raffinerien und Händlern deshalb, bei Mineralien aus der Demokratischen Republik Kongo „äußerste Sorgfalt" walten zu lassen und genau abzuklären, unter wessen Kontrolle die Minen sind, aus der sie stammen. Denn verboten ist der Handel nur dann, wenn der Erlös in Kriegskassen fließt. Die Schweizer Behörden werden aktiv, wenn es Hinweise auf Embargo-Verstöße gibt. „Die Zollbeamten können nicht bei jeder Goldlieferung alles in Frage stellen", gibt SECO-Mitarbeiter Vock zu bedenken.

Charlotte Walser, InfoSüd

 

 

erschienen in Ausgabe 4 / 2009: Alte Menschen: Zu wenig geachtet

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