Minister vereinbart mit deutschen Unternehmen Schaffung von mehr Arbeitsplätzen
Bundesentwicklungsminister Gerd Müller (CSU)
Minister vereinbart mit deutschen Unternehmen Schaffung von mehr Arbeitsplätzen

Müller fordert bessere wirtschaftliche Anbindung des Maghrebs an EU

Bundesentwicklungsminister Gerd Müller (CSU) fordert langfristig eine bessere Anbindung von Maghreb-Ländern wie Tunesien an den europäischen Wirtschaftsraum.

"Ich glaube, das kann die nächsten 20 Jahre eine Erfolgsgeschichte werden wie die Osterweiterung", sagte er am Mittwoch bei einem Besuch der Hauptstadt Tunis. Auch bei der Fachkräftezuwanderung sehe er die Möglichkeit, "Brücken zu bauen". Zudem sei ein Austausch vorstellbar mit Ausbildung in Deutschland und Rückkehr mit Betriebsgründung in Tunesien. So würden alle gewinnen.

Wirtschaftliche Lage noch schwierig

Müller besichtigte zunächst ein Werk des Automobilzulieferers der deutschen Marquardt-Gruppe, der Marquardt Mécatronique, wo elektronische Schalter und Sensoren hergestellt werden. Insgesamt gibt es in Tunesien 260 Unternehmen mit deutscher Beteiligung, die mehr als 60.000 Mitarbeiter beschäftigen. Anschließend sollte Müller noch mit Ministerpräsident Youssef Chahed zum Gespräch zusammenkommen.

Müller will auf seiner Reise bei deutschen Betrieben für die Schaffung weiterer Ausbildungsplätze werben. Sieben neue Ausbildungsvereinbarungen mit deutschen Unternehmen und Verbänden aus der Textil-, Automobil- und Tourismusbranche sollten geschlossen werden. Allein im Automobilbereich sollten weitere 7.500 Arbeitsplätze entstehen. Das geschieht auch vor dem Hintergrund der Bekämpfung von Fluchtursachen.

Denn fast acht Jahre nach der Selbstverbrennung eines jungen tunesischen Obsthändlers, die zu Massenprotesten und letztlich zu Umstürzen in mehreren arabischen Ländern führte, ist die wirtschaftliche Lage in Tunesien nach wie vor sehr schwierig. Jeder dritte Tunesier ist jünger als 24 und die Jugendarbeitslosigkeit liegt bei 30 Prozent. Allerdings ist die Zahl der tunesischen Asylbewerber in Deutschland vergleichsweise niedrig: Seit Jahresbeginn 2018 stellten 478 tunesische Staatsangehörige Asylanträge (davon 400 Erstanträge).

Anreize für Demokratisierung

Unternehmen aus Europa betrachten das Land indes überwiegend als "verlängerte Werkbank", wo Waren für den Export nach Europa günstig verarbeitet werden können und die Löhne entsprechend niedrig sind.

Neben Ghana und der Elfenbeinküste ist Tunesien Reformpartner des Ministeriums für Entwicklungszusammenarbeit. Deutschland will diese Länder mit privaten Investitionen und der Schaffung von Arbeitsplätzen besonders unterstützen, wenn diese im Gegenzug Demokratisierung, den Kampf gegen Korruption und Wirtschaftsreformen vorantreiben.

Am Ende seiner zweitägigen Reise will sich Müller am Freitag in Süditalien sowie auf der griechischen Insel Lesbos über die dortige Flüchtlingssituation informieren. Auf der Ägäisinsel befindet sich das völlig überfüllte Camp Moria: In dem für rund 3.000 Menschen ausgelegten Aufnahmezentrum sind mehr als dreimal so viele Asylbewerber untergebracht. Regelmäßig kommt es zu Ausschreitungen.

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