Ein Jahr nach Mugabe: Kein spürbarer Wandel in Simbabwe

Im Jahr eins nach Robert Mugabe sind die Hoffnungen auf einen grundlegenden Wandel in Simbabwe erschüttert: "Es gab hier und da kosmetische Änderungen", sagt Julia Grauvogel vom Hamburger Giga-Institut für Afrika-Studien dem epd.

Insgesamt seien seit dem Abtritt des Langzeitherrschers Mugabe und der Machtübernahme seines einstigen Vizes Emmerson Mnangagwa die alten Strukturen aber nicht aufgebrochen worden.

Oppositionsführer Nelson Chamisa habe dies mit der Aussage "Wir sind im November 2017 einen Diktator losgeworden, aber wir haben nicht die Diktatur abgeschafft!" gut auf den Punkt gebracht, sagt die Politologin. Weder politisch noch wirtschaftlich habe sich viel verändert. Schon die gewaltsame Niederschlagung von Protesten nach der Wahl Anfang des Jahres habe dies gezeigt. "Das waren wieder die altbekannten Strategien", erklärt Grauvogel. "Nicht umsonst war Mnangagwa ein wichtiger Mastermind hinter dem Unterdrückungsregime Mugabes."

Reformen und Versöhnung

Mugabe, der sich seit der Unabhängigkeit von Großbritannien 1980 trotz aller Kritik über Jahrzehnte hinweg an der Macht gehalten hatte, war am 21. November 2017 unter dem Druck des Militärs zurückgetreten. Die Amtsgeschäfte übernahm Mugabes langjähriger Gefolgsmann und späterer Kritiker Mnangagwa, der in der Präsidentenwahl im Juli offiziell bestätigt wurde. Mnangagwa trat mit dem Versprechen von Reformen und Versöhnung an. Er sicherte auch zu, das heruntergewirtschaftete Land aus der Krise zu führen und wirtschaftlich zu öffnen.

Doch auch in der Wirtschaft kann Mnangagwa laut Simbabwe-Expertin Grauvogel keinen Durchbruch verbuchen - im Gegenteil: "Die Arbeitslosigkeit ist weiter extrem hoch, bei über 90 Prozent", sagt sie. "Die meisten Menschen leben davon, dass sie hier und da etwas verkaufen, was sie selbst irgendwie erworben haben." Der Ruf nach Investitionen verhalle weitgehend, dafür sei die Infrastruktur des südafrikanischen Landes viel zu desolat. Und da Simbabwe weiter auf Importe angewiesen sei, um die Bevölkerung zu versorgen, verschärfe sich das Außenhandelsdefizit und das Liquiditätsproblem.

Straßenblockaden sind jetzt verschwunden

Die Lage sei "nicht ermutigend", fasst Grauvogel zusammen. "Bis auf Initiativen in den Städten, bei der gut gebildeten Mittelschicht, haben sich die Simbabwer wenig öffentlichen Raum zurückerobern können." Manche Medien trauten sich inzwischen mehr, erreichten jedoch vor allem die gebildeten Städter. "Das heißt aber auch nicht, dass Mnangagwa nicht gegebenenfalls genauso harsch durchgreifen würde wie Mugabe."

Im Straßenbild gebe es hingegen eine wirklich sichtbare Änderung: "Früher gab es viele Straßenblockaden, mit denen Polizisten niedriger Dienstgrade ihr Einkommen aufbesserten", sagt Grauvogel. "Die sind jetzt verschwunden." Darüber hinaus habe allerdings die Ankündigung Mnangagwas, die Korruption einzudämmen, noch keine konkreten Auswirkungen gehabt. "Die Leute haben nicht das Gefühl, dass sich wirklich etwas verändert hat im Land."

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